Grunde, wie mein Vorgänger, auf die billige Nachsicht meiner Leser rech- nen zu dürfen. 1 13 Die Schule war gegen das Ende ihres ersten Jahrhunderts unter dem Rector M. Adolarius Cravelius(seit 1599) in gänzlichem Verfall. Was würde ein Jacob Micyllus, der erste Rector(1528— 1547), ein Justinian von Holzhausen, ein Johann von Glauburg, ein Orth zum Jungen, die Stif- ter und Ordner, gesagt haben, wenn sie gesehen hätten, wie die Knaben in der untersten Classe nur Lesen und Schreiben gelehrt wurden, wie sie nur lateinische Wörter und den Katechismus mechanisch auswendig lernten, und wie es durch alle Classen hindurch, auch noch in der obersten, nur darauf abgesehen war, Nomenclaturen zu schmieden, um lateinisch reden zu können? Es lag zwar die Sturmische Methode dabey zum Grunde, aber der Geist war ausgegangen, und die Straſsburger Grammatik wurde nicht mehr begriffen. Was würden jene Männer gesagt haben, wenn sie vollends die Zucht, besonders unter den Chorschülern, gesehen hätten? Die im Jahr 1607 gegebenen Schulgesetze fangen gleich mit den Worten an: „Dieweil bisher allerley gottloses und ärgerliches Leben unter den pau- peribus fürgegangen’ u. s. w. Hernach wurde es noch ärger. Mehre Schüler waren im Aufruhr gegen ihren Rector, worüber noch Schauder erregende Acten vorhanden sind. Die Widerspenstigen laufen fort, um dem Carcer zu entgehen, das als ein Burgverliefs dargestellt wird, aus welchem einer sobald nicht wieder herausgekommen wäre. In Bockenheim, als auf fromdem Gebiete, warten sie es ruhig ab, ob ihr Name sub titulo ingrato- rum cuculorum auf einer Tafel in der Classe angeschrieben werde, und ob der Rector einen Schein über sein Wohlverhalten bekomme, welchen er den andern Schülern vorzeigen könne. Er wird beschuldiget den Chorschülern Gelder vorzuenthalten, sie vehementi castigatione, potius animo gladiatorio et pessimi lupi, quam praeceptoris et boni Ppastoris, angerannt und angefahren, und gedroht zu haben, dafs er sie des Geldes, so noch hinterstellig, ganz und gar berauben wölle, und ob sie so hoch als der Pfarrthurm sprüngen, so 4 2
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