Aufsatz 
Das Frankfurter Gymnasium unter dem Rector Hirtzwig. Dr. Guil. Ern. Weberi Pror. et Prof. Carmen Saeculare : Mit hoher Genehmigung Eines Hochwürdigen ev. luth. Consistoriums zeigt Die Feyer des dreihundertjährigen Jubilaeums nebst den öffentlichen Prüfungen unseres Gymnasiums ... an / Johann Theodor Vömel Rector und Professor
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welchen der Erzähler einen schönen Lohn für mühevolle Sammlungen in

der Fülle und Mannigfaltigkeit der Ereignisse fände, und bey welchen

der Leser durch die Erinnerung an groſse Thaten und fruchtbare Erfolge einen besondern Reiz empfände; allein es ist für den tiefer schauenden

Forscher gerade dieser Zeitraum vorzüglich wichtig. Wahrend sich die

staatsrechtlichen Verhältnisse für Kirchen und Schulen unter den heftigsten

Stöſsen und Kämpfen befestigten, wurde das Gymnasium durch diesen Mann

im Innern zu solcher Blüthe gebracht, daſs wir noch jetzt die Früchte davon genieſsen. Unter ihm entwickelte sich in demselben ein neues gei- stiges Leben, die Einrichtungen, die sich bis auf den heutigen Tag als die

besten bewährt haben, rühren von ihm her; und niemand kennt ihn. Gleich

wie die Bilder der Eltern und der Groſfseltern von den Kindern und En- keln noch in Ehren gehalten, von den spätern Nachkommen nicht mehr

beachtet, und am Ende ganz vergessen werden; so sind auch die Lehrer

nur im Gedächtnisse derer, welche sie persönlich kannten, zumal wenn sie sich nicht als Schriftsteller ausgezeichnet haben. Hirtzwig hat sich aber auch als Schriftsteller gezeigt; und doch ist er vergessen. Dies kommt offenbar aus dem Mangel an einer Frankfurter Gelehrten- und Schriftsteller-

Geschichte, wozu doch in der That sehr reicher Stoff vorhanden wäre, wel-

chen allein schon die Aerzte und Naturforscher, wie sie Hr. Prof. Dr. Med Klofs zusammengestellt hat, in groſser Fülle bieten würden; aber auch in alle andern Zweigen kann sich Frankfurt einer Menge bedeutender Schriftstel ler rühmen, welche auf seinem Gymnasium gebildet worden sind. Ich be halte mir's vor, dies bey einer andern Gelegenheit mitzutheilen un Lebensbeschreibungen hiesiger Gelehrten zu liefern. Jetzt zur Sache. Aber eine vollständige und jeder Anforderung genügende Geschic] einer Schule, wenn auch nur von einem kurzen Zeitraume, zu schreiben, dafſs man das Leben ihrer Lehrer und ihrer Schüler, wie es war, wie erkenne, hat groſse Schwierigkeiten, welche Purmann ebenfalls geft und sehr gut auseinander gesetzt hat. Ich hoffe daher aus gleich

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