Die Reſte der alten Römerſtätte. 69
zur Gewinnung von Steinmaterial die„Schatzgräberei“ üblich wurde. Denn das „goldene Kalb“ ſollte im„heidenfelde“ von heddernheim vergraben liegen, und nach dieſem Schatze ſuchte man nun und ſucht danach noch heute. Huch eine„Kriegs⸗ kaſſe von 1813“ ſollte hier irgendwo noch im Boden ruhen. Das Graben nach römiſchen Kltertümern war gewiß in der erſten Zeit, wo der pflug alljährlich noch maſſenhaft ſchöne Sigillatagefäße, Münzen u. dgl. aus der Erde riß, lohnend, und viele prächtige Fundſtücke mögen damals zutage gefördert und— verſchleudert worden ſein. Kber die von Jahr zu Jahr geringer werdenden Erfolge derartiger Schatzgräbereien hat denſelben heute glücklicherweiſe einigermaßen wenigſtens ein Ziel geſetzt. Doch auch heute noch zieht wohl der Bauer im Winter, wenn der Kckerbau ruht, gelegentlich mit Spitzhacke und Spaten hinaus nach ſeinem llcker und gräbt und ſchaufelt in der ſtillen hoffnung, das goldene Kalb doch noch zu ergraben. Die alte Tradition iſt immer noch lebendig.— In einer Praunheimer Wirtſchaft ſind im Garten in bunten Wandbildern wichtige Begebenheiten der Ortsgeſchichte gemalt. Eines derſelben ſtellt die Kusgrabung eines römiſchen Grabes dar, ein Beweis, daß man dies als eine weſentliche Betätigung des lokalen Intereſſes anſah und heute noch anſieht.
Die Reſte der alten Römerſtätte im„hHeidenfelde“ von heddernheim.
Uppige Saatfelder und Baumpflanzungen bedecken heute weithin das ganze„heidenfeld“; nirgends ſcheinbar ſind noch Reſte der verſunkenen römiſchen Herrlichkeit erkennbar. Und doch wird der Wanderer, deſſen Blick durch die Kennt⸗ nis der Geſchichte der Stätte und durch das Studium des Planes der alten Römer⸗ ſtadt geſchärft iſt, wenn er mit offenem Kuge über die Felder dahinſchreitet, überall leicht die vielfachen Zuſammenhänge erkennen, die noch heute zwiſchen den mo⸗ dernen VDerhältniſſen im Gebiete und der alten, längſt verſchwundenen Römerſtadt Nida beſtehen. Welch deutliche Sprache ſprechen doch die heutigen Flurnamen. Zunächſt der Name„heidenfeld“, mit dem das ganze römiſche Siedelungs- gebiet noch heute benannt wird, ferner Slurbezeichnungen, wie das„Burg⸗ feld“,„an der Ringmauer“,„am Ppraunheimer Eck“,„am Zeilweg“,„am holzweg“ uſw. Die„Burg“, die„Ringmauer“ mit dem „Praunheimer Eck“ uſw. ſind heute längſt verſunken, doch in der Erinnerung des Volkes leben ſie noch heute. Ihre Zahl vermehrt ſich noch, wenn man aus den Urkunden die älteren Flurnamen zuſammenſtellt, die heute nicht mehr gebräuchlich ſind. Da finden wir Namen wie„an der Phorten“,„das Burgloch“, „uff der Mawern“,„undig der Mawren“,„der große Stein“, „die Zeil“ u. a. Es iſt erfreulich, daß heute bei der Neubenennung der modernen


