Aufsatz 
Untersuchungen über den Chronisten Johannes Nuhn von Hersfeld / von Julius Pistor
Entstehung
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und Tritt. Dazu kommt, daß er keinerlei kritische Befähigung zeigt. In Bezug auf letztere steht er noch tief unter dem Frankenberger Chronisten, der wenigstens hier und da den Versuch macht, aus den abweichenden Angaben der Quellen das Richtige herauszusuchen oder, wo ihm dies unmöglich erscheint, seinen Lesern wenigstens die Entscheidung in zweifelhaften Fällen anheimstellt. Von einer solchen Gewissenhaftigkeit findet sich bei Johannes Nuhn keine Spur; er nimmt sich in der Regel nicht einmal die Mühe, Mitteilungen über seine Vorlagen zu machen, und nur ganz ver- einzelt giebt er unzureichende Auskunft.

Aus diesem Grunde sind wir meist auch nicht in der Lage, einen genügenden Einblick in die Art und Weise seines Arbeitens zu gewinnen. Doch läßt sich unschwer erkennen, daß er reichliches Material herbei- geschafft, es aber unterlassen hat, dasselbe zu sichten und mit einiger Vorsicht zu verwenden. Die Folgen dieser Behandlung des Stoffes zeigen sich in dem Übergehen oder nur gelegentlichen Erwähnen wichtiger Vorgänge und andererseits in der mehr als behaglichen Breite, mit der untergeordnete Ereignisse besprochen werden, mag er nun selbst der Urheber oder nur der Nachschreiber sein ¹). Selbst um genügende Aufhellung

1) Vgl. 2z. B. die ausführliche Erzühlung von der Erwerbung von Friedewald durch Heinrich den Reichen(Senckenberg III. 503 ff.) und den Abenteuern Ottos des Schützen in Kleve(das. S. 343 ff.). Bemerkenswert ist die auf letztere bezügliche Aus- führung Lauzes S. 248 a f., wobei dieser wohl Nuhn im Auge hat: Das aber etliche diese warhaftige historien mit weitern zusetzen schmucken, achte ich nicht von noten, sondern wer da weiß, das ire die warheyt an einfaltiger erzelung der sachen benugen lesset, der wird noch solchen und dergleichen schmuckreden nicht hoch fragen. Dieweil auch diese tugend, sich dermassen zu nidrigen und in knechtsgestalt brauchen zu lossen, under den hohen leuthen

dieser zeit gantz selzam worden, mochten diese geschicht villicht etliche fur ein gedicht halten; aber gewiß und whar ists, das sich