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Ludwigs Sohn, nach dem ausdrücklichen Zeugnisse Nuhns, der in nahen Beziehungen zu ihm gestanden zu haben scheint, schon in der Jugend durch gelehrte Bildung vor seinen Standesgenossen aus ¹) und scheint auch ein Freund der Dichtkunst gewesen zu sein ²).
Als ein günstiges Zeichen muß es angesehen werden, wenn jetzt auch der hessische Adel, dessen Beteiligung am geistigen Leben während des Mittelalters äußerst schwach gewesen zu sein scheint, selbstthätig hervor- tritt. Nach der Rückkehr von einer Pilgerreise nach Palästina, auf der er(i. J. 1491) mit anderen Edelleuten Wilhelm den Alteren von Hessen begleitet hatte, ver- faßte nämlich Dietrich v. Schachten, noch ganz erfüllt von der Wunderwelt des Morgenlandes, in einfacher Sprache eine anmutige und anschauliche Schilderung der an Abenteuern und Gefahren reichen Fahrt ³). Zwölf Jahre später machte Georg v. Boyneburg im Gefolge eines hennebergischen Grafen denselben Weg und beschrieb die Reise in Versen, die aber verloren zu sein scheinen ⁴).
wesen“. Pfaff vermutet, wie es scheint, richtig, es möchte Lud- wigs Gemahlin Mechthilde die Gönnerin des Sängers gewesen sein.
¹) Senckenberg a. a. O. V, 467.
²) Wenn nach Rommels ansprechender Vermutung(Gesch. v. Hessen IV, Anm. S. 483) zu den Geschenken, die Wilhelm von seinem Oheim Eberhard erhielt(vgl. Nuhn bei Senckenberg a. a. O. S. 468 f.), das jetzt in der Kasseler Landesbibliothek(Mss. Poetae fol. nr. 2) aufbewahrte Gedicht des Rudolf v. Ems über Wilhelm v. Orlens gehörte, so muß der junge Landgraf wohl Sinn für Poesie gezeigt haben. UÜber den Iphalt desselben vgl. Gödeke, Grundriß zur Gesch. d. deutschen Dichtung I?, 123 ff.
³) Vgl. O. Lorenz, Deutschlands Geschichtsquellen II, 95 und die Allgem. deutsche Biographie XXX, 486. Die Reisebeschrei- bung ist abgedruckt bei Röhricht u. Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande S. 162—245.
⁴) Vgl. Spangenberg, Henneberg. Chronik(Straßburg 1599) S. 162 und Röhricht, Deutsche Pilgerreisen S. 219.


