Aufsatz 
Geschichte der Lateinschule zu Friedberg : Festschrift zum Dreihundertundfünfzigjährigen Jubiläum der Grossherzoglichen Realschule und des Progymnasiums zu Friedberg in Hessen / von G. Windhaus
Entstehung
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Proben lateinischer Poesie von Rektor Palthe.

1.

Ecquis habet putei Deus aut Dea gurgite? clara Non sine divino Numine turget aqua.

Nam quae labentes sustentat dextera mergi Nec sinit? haud alius quam Deus ipse, reor.

Se tibi mancipium fabri debere fatetur Vitam, quem puteus reddidit incolumem.

Tres tremulis horas vixit tremebundus in undis Atque haustro tardam sensit opem Superum.

Numquid in humanis tanto discrimine rebus Praesidii; vivit, qui moriturus erat. ¹)

M. Johannes Palthenius, Rector scholae Fridbergensis, f.

2

Clarissimo et consultissimo viro, Dn. Esaiae Fabricio J. U. Doctori celeberrimo,

Imperialis Castri Fridb. Syndico dειιτιασιτ, Fautori ac Maecenati meo summa observantia colendo S. ²)

Ante dies paucos, clarissime Syndice, Doctor, Pro ligno argentum non tribuere viri.

Non tribuere viri praeter fas iusque Scholarchae, Messes ante duas quod soliere duo.

*

¹) Zur Erläuterung möge folgende Stelle ausAbrahami Saurii Stättebuch, fortgesetzt durch Hermannum Adolphum Anthes, Franckfurt am Mayn, 1658* S. 548 dienen:Es wolte ein trunckener Schmidknecht des Abends von einer Zech heimgehen. weil aber seines Meisters Hauss schon verschlossen, gieng er ein weil auff der Gassen herumb und leget sich endlich auff das Brunnengeschell und entschlieff. will sich derenmal- eins im Schlaff umbwenden, fellet hinab in Brunnen, dass ihm das Wasser überm Kopff zusammen schläget, wird darvon munder und ergreiffet im Schrecken die Mawer mit Händen, ruffet lang vergeblich umb Hülff, die- weil die Leuth eben im ersten und besten Schlaff waren, biss endlich die Wächter das Geschrey gehöret, aber nicht anders gemeynet, dann es were Fewersnoth vorhanden und angefangen zu blasen und die Bürger auffzu- wecken, welche eylends den Brunnen zugelauffen und Wasser geschöpffet, das vermeinte Fewr damit zu löschen. Im schöpffen erwüschet der Schmid- knecht das Brunnenseil und hebet sich so starck daran, dass er schier den Schöpffer, der von ihm nichts gewust, sampt dem Seil zu sich in den Brunnen gezogen hätte, schreyet je hefftiger umb Hülff, gibt sich zu er- kennen, wird mit grosser Mühe und Verwunderung heraussgezogen und bey Leben erhalten, nachdem er schon drey gantzer Stunden in dem Brunnen gestecket und wohl gebadet hatte. Diese History ist kürzlich in folgenden Versen verfasset(u. s. w. wie oben).

²) Aus dem Ratsobservanzprotokoll von 1620, S. 173.