II.
Die Erwerbung des Barfüsserklosters durch die Burg und Stadt Friedberg.
Die Gründung der Lateinschule oder des Pädagogiums zu Friedberg steht im engsten Zusammenhang mit dem UÜbergang des Friedberger Barfüsserklosters aus dem Be- sitz des Franziskanerordens in das gemeinschaftliche Eigen- tum der beiden politischen Gemeinwesen, aus denen im Anfang unseres Jahrhunderts das heutige Friedberg ent- standen ist, der damaligen kaiserlich freien Burg und der freien Reichsstadt gleichen Namens. Betrachten wir daher zunächst, unter welchen Verhältnissen und in welcher Weise sich dieser Besitzwechsel vollzogen hat.
In der Stadt Friedberg bestanden, soweit die urkund- lichen Nachrichten reichen, seit dem 13. Jahrhundert zwei Mönchsklöster, von denen das eine dem Franzis-— kaner- oder Barfüsser-Orden, das andere dem Orden der Augustiner angehörte ¹). Das erstere lag in dem Winkel, den die heutige Kaiserstrasse mit der Seeberg- gasse bildet, nordwestlich des Rathauses, das zum Teil auf dem Grund und Boden des ehemaligen Barfüsser Fried- hofs erbaut ist ²), die Stätte des letzteren wird ungefähr durch das dermalige Hauptgebäude der„Augustiner“- Realschule und des Progymnasiums bezeichnet, dessen unterstes Geschoss noch jetzt Uberreste des früheren Kon-
¹) Die Augustiner werden 1270, die Barfüsser 1293 urkundlich zum ersten mal erwähnt, vgl. Dieffenbach, Gesch. d. Stadt und Burg Fried- berg, S. 66 f.
2) R. P. v. Do. n. Ascens. 1531:„Das slagehauss solle abegebrochen unnd nebendt das rathauss zu einem gesprech stublin unnd anders uf der Barfusser Kirchof ufgeschlagen werden, und solle zuvor darumb mit dem Gardian umb verwilligung geredt werdenn.“ Vgl. d. Schreiben des Barfüsser Superiors Sartoris an den Rat zu Friedberg d. d. Mittw. n. Corp. Chr. 1531(St. A. V, 5, 197 b):„gib darauff meinen guten willen und consens, gleichermos guardian und convent gethan, ewer gesprochen heusslin an das Rathaus uff unserm Kirchhoff zu bauen etc.“


