J.
Beiträge zur Kenntnis des Friedberger Schulwesens vor der Reformation.
Schon vor der Reformation bestand in der Stadt Friedberg eine Schule, deren Existenz, soweit urkundlich nachweisbar, bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht ¹). Diese befand sich schon damals, wie noch zu Anfang des 16. Jahr- hunderts in einem Gebäude, das in der Nähe der Stadt- kirche und zwar auf der Südseite des Pfarrkirchhofs lag, da wo nachmals der Stätthof stand und in der neuesten Zeit die städtischen Pferdeställe erbaut worden sind ⁵). Dieses älteste Friedberger Schulhaus erwies sich im Jahre 1523 als baufällig; daher wurde die Schule in das an der Nordseite des Pfarrkirchhofs neben dem Pfarrhause, also am Eingang der Kirchgasse, gelegene„Haus zum Himmel- reich“ verlegt, wie das Ratsprotokoll²) von Donnerstag nach Ostern 1523 meldet:„Nochdem dass Schule Hauss uff dem kirchhoff fast bawfelligk, soll das Hauss bey dem pfarrhof, das hymelrich gnant, zu eyner schule verordnet und gemacht werden“ ¹).
Unterrichtsgegenstände in dieser Schule waren Reli- gion, Lesen, Schreiben, Rechnen und wohl auch etwas
¹) Dieffenbach, Progr. der Friedberger Realschule, 1854, S. 5.
²) Nebenan befand sich die Klause der„Sustern hinder der Schulen“, vgl. des Verfassers Abhandlung„Kirche und Schule zu Friedberg während der Reformationszeit“ im Archiv für hess. Gesch. und Altertumskunde, N. S., I, S. 303 ff.
³) Die Friedberger Ratsbücher aus der Zeit vor 1530 befinden sich im Grossh. Staatsarchiv zu Darmstadt(St. A.), die späteren im Archiv zu Friedberg; dem letzteren gehören auch alle diejenigen Urkunden an, bei denen im Folgenden der Aufbewahrungsort nicht besonders angegeben ist.
¹) Dass dieser Beschluss auch ausgeführt wurde, zeigen die Notizen in der Rentrechnung von 1532:„Presentz im schloss 9 sh. vom Himel- rich oder der Schnle“ und in der Präsenzrechnung v. 1533:„20 heller de domo gegen dem pharhoff uber, izund d ye schul“.
1


