Aufsatz 
Festbericht über die Feier des 50jährigen Bestehens der Großh. Realschule zu Oppenheim a. Rh. vormaligen Höheren Bürgerschule am 2. und 3. Mai 1897 / hrsg. von Otto Schneider
Entstehung
Einzelbild herunterladen

i

Ich darf denn hier wohl auch anfügen, daß die Zahl unſerer auf ein Realgymnaſium und das iſt faſt immer das Mainzer übertretenden Abiturienten bis 1889 im ganzen neun, ſeit 1889 dreizehn beträgt, zu denen noch die Schüler gerechnet werden müſſen, die aus der erſten Klaſſe in ein Gymnaſium übertreten. Mit dieſen ſind wenigſtens 16, alſo ſeit 1889 durchſchnittlich zwei im Jahre zu rechnen.[S. genaueren Nachweis unter C.]

AÄhnlich oder noch günſtiger verhält es ſich mit der Zahl unſerer Abiturienten überhaupt. Es waren in den erſten vier Jahren vorhanden durchſchnittlich ſechs[27], und konnten natürlich anfangs nur wenige ſein, vom Jahre 1884 bis 90 durchſchnittlich zehn, lim ganzen 58], vom Jahre 1889/90 bis jetzt durchſchnittlich fünfzehn ſim ganzen 119] Abiturienten, zuletzt alſo um die Hälfte mehr als früher. Es dürfte auch nochmals durch dieſe Belege erwieſen ſein, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden, und gerade Ihre Aner⸗ kennung, hochg. Herr Koll., wird uns ermutigen, unſeren bisherigen Grundſätzen treu zu bleiben, wie ja auch vor Ihnen der Vertreter der Regierung unſerer Anſtalt bezeugt hat, daß ſie volles Vertrauen verdiene.

Ich bitte Sie, hochg. Herr K., unſeren Dank und unſere Grüße auch den anderen Herren Kollegen Ihrer Anſtalt übermitteln zu wollen!

Hierauf folgte die Anſprache des Herrn Prof. Dr. Baltz, als Vertreters des Großh. Realgymnaſiums zu Darmſtadt. Sie hatte ungefähr folgenden Wortlaut:

Geſtatten Sie auch mir, ſehr geehrter Herr Direktor, ein kurzes Wort. Im Namen und Auftrag des Realgymnaſiums zu Darmſtadt überbringe ich herzlichen Glückwunſch dieſer Schule an die Schweſteranſtalt dahier, die heute ihr fünfzigjähriges Jubiläum begeht; möge die Real⸗ ſchule zu Oppenheim wachſen und blühen in ferne Zeiten!

Daß ich dieſen Gruß übermitteln darf, iſt mir eine große Ehre, eine hohe Freude. Denn als die Höhere Bürgerſchule dahier in eine Realſchule umgewandelt wurde, trat ich, vor beinahe 20 Jahren, in das erſte Lehrerkollegium der neuen Anſtalt ein, um, ſelbſt ein Lehrling im Schulamt, unter der bewährten Leitung des verehrten Herrn Direktors Schön thätig zu ſein.

An jene erſten Jahre meiner Thätigkeit aber, an jene Zeit, da die Lehrerſchaft der neuen Realſchule in treuem Zuſammenhalten an dem Ausbau der Anſtalt arbeitete, habe ich mich immer mit froher Genugthuung erinnert. Wir arbeiteten damals mit Freude und vielleicht auch mit Erfolg.

Es war dies möglich, weil wir Lehrer uns im reichen Maße erfreuen durften des liebens⸗ würdigſten Entgegenkommens der Bevölkerung, des rückhaltloſen Vertrauens des Elternhauſes und der Zuneigung einer ſtrebſamen Jugend.

Daß dies ſchöne Verhältnis zwiſchen Schule und Bevölkerung auch ſpäter immer beſtanden hat, haben viele Kollegen mir verſichert, die das Glück hatten, hier thätig zu ſein; und daß es auch heute noch der Fall iſt, das beweiſt ja die lebhafte Teilnahme, die dieſe feſtliche Verſamm⸗ lung der Schule an ihrem Jubeltage entgegenbringt.

Möge es immer ſo ſein, möge dieſe ſchöne Harmonie nach innen und nach außen ſtets herrſchen zur Ehre der Schule, zur Ehre der Stadt und zum Segen der der Anſtalt anver⸗ trauten Jugend!

Das iſt der Wunſch, den ich als früherer Lehrer der Realſchule ihr an ihrem Jubiläum in dankbarer Erinnerung darbringe.

Der Direktor erwiderte ungefähr wie folgt:

H. H. K.! Indem ich herzlich dankend die freundlichen Glückwünſche erwidere, die Sie für ſich ſelbſt und die von Ihnen heute hier vertretene Anſtalt, des Großh. Real⸗ gymnaſiums zu Darmſtadt uns ausgeſprochen haben, denke ich auch heute gern an meine eigene Thätigkeit an dieſer Anſtalt in den Jahren 187679 zurück; insbeſondere da ich auch dort zu denen gehörte, die ſtets beſtrebt waren, die kollegiale Einigkeit und einträchtiges Zu⸗ ſammenhalten zu pflegen, wie ja auch Herr G. O.⸗R. Soldan mir beſtätigen kann, der damals ein Jahr lang mit mir als Kollege an Ihrer Anſtalt gewirkt hat. So war ich denn überaus angenehm berührt, als ich, im Jahre 89 hierher verſetzt, in Oppenheim dieſelbe ſchon von Herrn Koll. Dr. Schön herrührende Tradition vorfand, und war beſtrebt, alles aus dem Wege zu räumen, was das kollegiale Einvernehmen hätte ſtören können. Denn in der Einigkeit des Leherkollegiums liegt eine erſte Gewähr für erſprießliches Wirken; wir wollen demnach wie bisher ſolches Einver nehmen pflegen und bewahren.

N

14