Aufsatz 
Festbericht über die Feier des 50jährigen Bestehens der Großh. Realschule zu Oppenheim a. Rh. vormaligen Höheren Bürgerschule am 2. und 3. Mai 1897 / hrsg. von Otto Schneider
Entstehung
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Mein Dank gilt aber wahrlich nicht in letzter Linie dem jetzigen Lehrerkollegium für treue und einträchtige Mitarbeit an der uns geſteckten Aufgabe und allen verehrten früheren Kollegen.

Wie ſo viele der ehemaligen Schüler, iſt auch eine große Anzahl der früheren Lehrer nicht mehr am Leben, ſo die beiden erſten Lehrer Dr. Noack und Heitger; Dr. Kniſpel, Dr. Möller, den ich wiederholt noch in Bingen und in Friedberg geſprochen habe, die Lehrer Fritzmann, Anton Krug, Ludwig Bickerle, Dr. Henning, Georg Windhaus, der Primus unſerer Darmſtädter Gymnaſial⸗ Prima 1864, ſeiner ſchönen und erfolgreichen Wirkſamkeit in Laubach erſt kürzlich, am 4. Februar dieſes Jahres, entriſſen, Pfarrer Diehl und Lehrer Aſchenbrenner.

Geſtorben ſind ferner die beiden anderen früheren evangeliſchen Religionslehrer, Pfarrer Wagner in Dienheim, zuletzt in Griesheim, und Dekan Müller in Oppenheim;

von den katholiſchen Religionslehrern die in meinem geſchichtl. Berichte genannten acht Geiſtlichen und Pfarrer Kämmerer, deſſen Namen ich einem mir bis Ende März fehlenden, dann aber von Herrn Monslinger und ſeitdem nochmals zur Verfügung geſtellten 1860er Programme entnehme. 4

(Von den kathol. Religionslehrern ſind noch zu den im Jahresberichte aufgeführten nachzutragen: aus 1850 Kaplan Steindecker, aus 70/71 Kaplan Klein, jetzt Pfarrer in Wimpfen.]..

Es ſind alſo verſtorben 11 ordentliche Lehrer, Pfarrer Diehl zu dieſen gerechnet,*) und 11 frühere Religionslehrer. 4.

Von dieſen nicht mehr unter uns weilenden Lehrern ſcheinen mir am engſten mit der Geſchichte der hieſigen Anſtalt verknüpft zu ſein: Pfarrer Diehl und Lehrer Aſchen⸗ brenner; Pfarrer Diehl auch mit der Geſchichte der Schweſteranſtalt in Groß⸗ Umſtadt, die ſeinen Namen neben denen der Herren Soldan unſeres verehrten jetzigen Geh. Oberſchulrates Pfaff und Wie ner nennt.

Seit 1872 Pfarrer in Dalheim, ſeit 76 in Dienheim, erteilte der energiſche, liebens⸗ würdige, durch vielſeitige Bildung ausgezeichnete Theologe und Schulmann vom Jahre 1877 ab an unſerer Anſtalt zuerſt 12, dann 16 Unterrichtsſtunden in evangeliſcher Religion, Latein, Geſchichte, Zeichnen, bis zu ſeinem Tode am 14. Auguſt 1887, alſo zehn Jahre lang. Er war für Verbeſſerung und Ausſchmückung der Dienheimer evan⸗ geliſchen Kirche thätg, hob den dortigen Kirchengeſang durch Einübung der älteren rhythmiſchen Melodien und pflegte beſonders gern Zeichnen, Malen und Muſik. Er machte ſich ferner verdient um den Oppenheimer Zweigverein der Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung und war ein eifriges Mitglied des hiſtoriſchen Vereins für Heſſen. Sein Haus war aus⸗ gezeichnet durch liebenswürdige Gaſtfreundſchaft. Leider hatte er auch harte Schickſalſchläge zu ertragen, insbeſondere den Tod eines hoffnungsvollen Sohnes, eines damaligen Schülers unſerer Anſtalt, der beim Baden im Rheine ertrank. Als einem der jüngeren Amtsbrüder und Freunde meines Vaters ſelig und einem auch gegen mich in der alten Hanau⸗ Lichtenberger und Groß⸗Umſtädter Heimat, ſowie bei ſpäterem gelegentlichem Briefwechſel immer freundlichen und liebenswürdigen Manne widme ich ihm in beſonders pietätvoller Erinnerung heute dieſe Worte.

Dieſelbe Pietät verdient aber auch der ſeit Januar 1877, alſo noch kurze Zeit an der Höheren Bürgerſchule und dann bis zu ſeinem Tode, 24. Januar 1884, an der ſtaatlichen Anſtalt wirkende Lehrer Georg Aſchenbrenner. Seine Vorgeſetzten rühmen ihn als einen vorzüglichen und gewiſſenhaften Lehrer, allgemein geachteten Menſchen und treuen Kollegen. Er gehörte zu den Schulmännern, die ſich bei eintretender Erkrankung keine genügende Schonung gönnen, nahm gegen den Rat des Arztes und des Direktors trotz vorhergegangener harter Erkrankung im Januar 1884 den Dienſt mit dem alten Eifer und ſeiner ſelbſtloſen Hingebung wieder auf, zog ſich wohl dadurch einen Rückfall zu und wurde den Seinen und der Anſtalt durch raſchen und allzufrühen Tod entriſſen.

Indem ich neben den verſtorbenen Lehrern auch der nicht mehr lebenden Schüler gedenke, von denen auch mancher für unſer Vaterland gekämpft und geblutet hat, erſuche

*) Wenn auch alsHilfslehrer angeſtellt. 2*

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