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„Feſt um ſo mehr feiern, wenn es in dem Umfange, den es ſeit Mitte vor. Monats „erhalten ſollte, den Wünſchen der meiſten früheren Schüler entſpricht, und wenn dieſe ihre „Anhänglichkeit an die Stätte ihrer Jugendbildung in ſo freigiebiger und pietätvoller Weiſe „bethätigt haben, wie dies hier der Fall iſt.
„Ich behalte mir für morgen vor, den früheren Schülern unſeren Dank dafür auszu⸗ „ſprechen, möchte heute aber vor allem hier im Namen des Feſtausſchuſſes und des „Lehrerkollegiums begrüßen und willkommen heißen unſere hochgeehrten und lieben Gäſte, „den Vertreter der Regierung, Herrn Geh. Oberſchulrat Soldan und außer Herrn „Dekan Rechel, die früheren hieſigen Kollegen, Herrn Profeſſor Dr. Dieffenbach „von der Tech. Hochſchule und Herrn Kollegen Heil vom Realgymnaſium zu Darmſtadt, „mit denen wir, wie mit den für morgen angeſagten Kollegen, zur Zeit ihrer hieſigen „amtlichen Wirkſamkeit ſo gern zuſammen gewirkt haben. Ich heiße ferner Sie alle hier „willkommen, hochgeehrte Anweſende, und ſpreche im Namen der geehrten Mitbürger unſerer „Stadt, wenn ich mit dieſen alle auswärtigen Gäſte und beſonders die„alten Schüler“ begrüße.
„Meinen Dank möchte ich heute Abend aber gerade den lieben Oppenheimern dar⸗ „bringen, daß ſie ſich ſo zahlreich ſchon heute Abend eingefunden, das Feſt durch reiche „Gaben unterſtützt und die Gäſte in der hier üblichen gaſtfreien Weiſe empfangen haben. „So darf ich denn wohl auch noch die Bitte an Sie richten, unſere hochgeehrten und „lieben Gäſte zu begrüßen mit dem Rufe: unſere Gäſte leben hoch!“
Herr G. O.⸗R. Soldan regte an, Herrn Koll. Direktor Dr. Schön in Mainz durch ein von ihm und dem hieſigen Direktor unterzeichnetes Telegramm zu erſuchen, er möge bei der Hauptfeier noch erſcheinen.
Wir freuten uns denn auch alle innig, den verdienten erſten Direktor der ſtaatlichen Realſchule am 3. Mai nach 10 Uhr begrüßen zu können und ihn mit im Feſtzuge und bei der weiteren Feier zu ſehen.
In den anderen Trinkſprüchen bei der Vorfeier, die der Unterzeichnete durch die zufällige Entwicklung der„geſelligen Zuſammenkunft“ gegen alle Abſicht übernehmen mußte, hatte er Anlaß, zu betonen, wie viel Entgegenkommen ihm die Stadt ſofort im Jahre 1889 und dann noch wiederholt in allen Baufragen bewieſen habe, nannte dabei auch den erſten Beigeordneten der Stadt, Herrn Notar Hubert, der aber auch der Anſtalt drei ſeiner Söhne anvertraut habe, heute hier alſo mehr als Vater in Betracht komme. So folgte der Dank an alle Eltern.
Auf den Trinkſpruch von Herrn Gemeinderat Hofmann dankte der Unterzeichnete durch den Hinweis auf ſeine Anhänglichkeit an das ſchöne Oppenheim, behielt ſich vor, dies morgen in der Feſtrede genauer zu erweiſen und feierte den Feſt⸗Ausſchuß und die lieben Oppenheimer.
Der poetiſche Feſtgruß aus Bern folgt in einer der Anlagen.
Wir verſetzen uns nunmehr wieder in die Große Halle auf der Landskrone zur Schul⸗ und Begrüßungsfeier.
Es folgt vorerſt in wörtlichem Abdruck
die Feſtrede.
1l.) „Hochgeehrte Feſtverſammlung!
„Im Namen des Lehrerkollegiums unſerer Anſtalt, die heute in ihr ein und „fünfzigſtes Jahr tritt, alſo ihren fünfzigſten Geburtstag feiern darf, fällt mir die ehrenvolle „Aufgabe zu, die geehrte Feſtverſammlung hier willkommen zu heißen und Ihnen, hochge⸗ „ehrte und liebe Gäſte, unſeren Dank für Ihr Erſcheinen auszuſprechen.
„Den erſten Willkomm in dieſen Räumen bot Ihnen zwar das Werk eines Meiſters „im Reiche der Töne, wie die Welt in der zweiten Hälfte unſeres Jahrhunderts keinen „gleichen mehr geſehen hat, und er, der große Meiſter, hat dieſes Werk unſerem Heldenkaiſer „gewidmet, deſſen einhundertjährigen Geburtstag wir am 22. März hier in dieſem Raume „unter feſtlich gehobener Stimmung begangen haben.
„So ſchien es uns denn geeignet, unſere heutige Feier mit dem einzigen Werke einzu⸗ „leiten, das als wahrhaft klaſſiſch⸗patriotiſche Tondichtung aus der großen Heldenzeit „hervorragt und im Reiche der Muſik dieſe Zeit und ihren Mittelpunkt, den ehrwürdigen,
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