Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Beurtheilung des Lehrplans der Secunda und Prima. 265

verlangt er ein Exercitienbuch, das brauchbarer ſei, als der alte Speccius. Dabei empfiehlt er für Quarta und Tertia fleißiges Zurücküberſetzen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche. Röchling em⸗ pfiehlt, alle Tage ſtatt eines Capitels aus der h. Schrift eine Erzählung aus Hübner's bibliſcher Geſchichte zu leſen, und zwar in Quarta in deutſcher, in Tertia in lateiniſcher Sprache, und kurz und erbaulich zu erklären. Dadurch würden die Kinder für die Leſung der h. Schrift beſſer vor⸗ bereitet.In der Tertia laſſe man das Griechiſche nicht ins Lateiniſche, ſondern ins Deutſche überſetzen..

Bei der Beſprechung des Unterrichtsplans der Secunda verwirft Röchling das eingeführte Lehrbuch der Religionslehre, Freylingshauſens Grundlegung. Im Lateiniſchen verlangt er als⸗ Lectüre ſtatt der Elegien des Ovid, worin faſt immer derſelbe Gegenſtand behandelt ſei, Heinzes poetiſche Chreſtomathie, einen zuſammenhängenden Auszug aus den beſten Dichtern, außerdem Cicero's Briefe und Gesner's Chreſtomathie aus Cicero. Ferner fordert er mehr Zeit zur Mathesis, Geographie und Philoſophie. Für das Studium der Alterthümer empfiehlt er, ſtatt des. Lehrbuchs von Schatz ein Buch von Moldenhauer zu gebrauchen, um auch die jüdiſchen und chriſt⸗ lichen Alterthümer zu lehren. Für den Unterricht im Griechiſchen wünſchte Röchling in ſeiner Secunda neben dem neuen Teſtament Stroth's griechiſche Chreſtomathie zu gebrauchen, die auch in der Prima mit mehr Nutzen als Plutarchs Schrift de educatione würde geleſen werden. Für die Prima ſchlägt Röchling Folgendes vor:In Anſehung der Religion wäre beſonders in unſeren Zeiten ſehr nöthig, eine Stunde wöchentlich der Wahrheit der chriſtlichen Religion und der Ver⸗ theidigung derſelben gegen die Einwürfe der Religionsſpötter zu widmen. Das tägliche Bibelleſen würde mit großem Vortheil in den Grundſprachen angeſtellt werden. Hinſichtlich des Griechiſchen fordert Röchling, der Lectüre Stroths Chreſtomathie zu Grunde zu legen und mehr Stunden für dieſe Sprache anzuſetzen. Im lateiniſchen Unterricht ſollen nicht alle Halbjahre 5 6, ſondern nur 2, höchſtens 3 Autoren geleſen werden. Bezüglich des deutſchen Unterrichts urtheilt Röchling, es ſei vortheilhaft, anſtatt der Chrieen die Anfertigung deutſcher Ueberſetzungen der alten Autoren zu fordern, oder auch über dieſe oder jene wiſſenſchaftliche Materie, die im Unterricht behandelt worden ſei, die gewonnenen Gedanken niederſchreiben zu laſſen.Der Mathesi, Geographie und Philo⸗ ſophie muß mehr Zeit gewidmet werden, auch die Phyſik darf nicht ganz vernachläſſigt werden. Röchling verlangt, daß in der Matheſis, Theologie, Hiſtorie, Geographie, ſowie im hebräiſchen; Unterrichte Primaner und Secundaner den Unterricht je eines und desſelben Lehrers genießen alsdann würden ſie in fünf Jahren weit mehr erreichen, als jetzt möglich ſei.

Röchling ſchließt ſeine Erörterungen mit der folgenden reſignirten Anrede an die Herrn Scholarchen:Dies ſind meine freimüthigen Gedanken über die Hauptmängel unſrer Schulen. Nun kommt es auf Sie an, ob Sie durch eine weiſere Einrichtung ſich bei der Nachwelt verewigen und unſeren Muth aufrichten wollen. Betrachte ich auf der einen Seite das Verhältniß⸗ worin Sie Gott geſetzt, ſo lebt meine Hoffnung auf; doch ſinkt ſie wieder, wenn ich bedenke, daß ſeit vier Jahren, da dieſer ſelige Entſchluß von der Verbeſſerung der Schulen erwachte, es auch dabei geblieben iſt. Daß ich ein Freund vom Lehren bin und auch keine Mühe ſcheue, hoffe ich in den beinahe 7 Jahren, daß ich hier ſtehe, gezeigt zu haben; aber wo kann Muth und Eifer beſtehen, wenn man ſo ganz zweckwidrig arbeiten und alle beſſeren Einſichten verleugnen muß. Sollten daher auch alle Vorſchläge vergeblich ſein, ſo bleibt mir kein anderer Troſt als Dixi et a. s. Worms, 26. Dec. 1781..

Am 5. November 1782 kam eine Schulordnung zu Stande, welche die von den Pfarrern und Lehrern erſtatteten Gutachten zwar etwas berückſichtigte; allein keine durchſchlagende Reform

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