Als am 26. Juni 1877 die erſten Steine in die Fundamente des Neubaus unſres Gymnaſial⸗ und Realſchulgebäudes gelegt wurden, wurde eine feierliche Schlußſteinlegung und Einweihung des neuen Hauſes in Ausſicht genommen; und ich wurde erſucht, für dieſes Feſt eine Geſchichte unſrer Anſtalt zu ſchreiben. Denn obwohl das Gymnaſium zu Worms auf eine dreihundertundfünfzigjährige Ge⸗ ſchichte zurückblickt, war dieſelbe doch bis zur Gegenwart unbearbeitet geblieben.— Unſre Anſtalt mußte nun aber ihr altes, in der Wollſtraße gelegenes Haus, in das ſie im Jahre 1824 eingezogen, als ſie das frühere Gymnaſialgebäude der ſtädtiſchen Volksſchule einräumte, ſchon vor der Vollen⸗ dung des neuen Gymnaſialgebäudes am 11. Juli 1879 verlaſſen, damit das alte Haus für das am 1. Oct. 1879 zu eröffnende Amtsgericht umgebaut werden konnte. So geſchah es, daß das Gymnaſium, die Realſchule und die Vorſchule zunächſt am 18. Auguſt 1879 durch eine ſchlichte Schulfeier, die in der neuen Turnhalle abgehalten wurde, ihren Einzug in das neue Schulhaus weihte und um Gottes Segen bat. Nachdem nun in den letzten Monaten die Aula des neuen Gebäudes der Vollendung entgegengeführt worden iſt, wird deren Einweihung mit der Schlußſtein⸗ legung am 14. April l. J. erfolgen, und die vorliegende Arbeit ſoll ein äußeres Zeichen des Dankes ſein, den unſre Schule der Großherzoglichen Staatsregierung und der Stadt Worms für die würdige Vollendung des neuen Hauſes zollt.
Um unſre Schulgeſchichte in Zuſammenhang mit dem eigenartigen politiſchen und kirchlichen Leben der Frei⸗ und Reichsſtadt Worms zu ſetzen und ihr dadurch ein allgemeineres Intereſſe zu verleihen, ließ ich dieſelbe von dem Hintergrunde der Stadtgeſchichte ſich abheben. Weil im Laufe der Zeit die benutzten handſchriftlichen Quellen Gefahr laufen, zu Grunde zu gehen, ſo habe ich die⸗ ſelben entweder wörtlich abgedruckt oder in der Erzählung durch engſten Anſchluß an dieſelben der Localgeſchichte für die Dauer geſichert. Wenn nun meine Arbeit an ihrem Theile dazu veranlaſſen würde, daß geeignete Veranſtaltungen getroffen werden, um die bis jetzt noch nicht gehobenen Schätze des reichsſtädtiſchen Archivs zu Worms durchzuſehen, für die Freunde der Specialgeſchichte inſtructiv zu regiſtriren und für die Darſtellung einer eingehenden Geſchichte der Stadt, die wir leider immer noch vermiſſen, zu bearbeiten, ſo wäre mein weſentlichſter Zweck erfüllt; und es würden dann wohl auch noch Nachrichten über die hieſigen Schulen gefunden werden. Obwohl ich unſre Schulgeſchichte bereits bis zur Gegenwart bearbeitet habe, verbot doch diesmal der Umfang, den die vorliegende Arbeit ſchon gewonnen, nicht nur die Veröffentlichung einer ausführlichen Geſchichte der franzöſiſchen Secundärſchule, die aus der Verſchmelzung des evangeliſchen Gymnaſiums der


