Aufsatz 
Das Lyceum Carolinum : ein Beitrag zur Geschichte des Bildungswesens im Großherzogtum Frankfurt / Otto Liermann
Entstehung
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bemerkt:An dem Gymnasiumsunterricht scheint mir auszu- stellen zu sein, daß die Schüler zu sehr mit Sachkenntnissen zum Nachteil der Vorbereitung in den philologischen überladen werden. Am 14. Juli ließSeine Königliche Hoheit der Fürstprimas war am 16. Februar 1810Großherzog von Frankfurt geworden den Bericht Günderrodes mit folgenden Randbemerkungen ¹) zurückgehen:

Ich danke verbindlichst dem Herrn geheimen Rath für die Mittheilung der Anlagen, die ich mit Aufmerksam- keit gelesen habe. Ich bin mit denenselben im wesentlichen ganz einverstanden, daß bei dem Gymnasium die Klassische Litteratur und die Realkenntnisse gleichen Schritthalten müssen, die alten römischen und griechischen Schriftsteller enthalten nicht nur in jeder Art Muster schöner Schreibart, sondern schildern auch erhabene moralische Karakterzüge, welche auf das Gemüt der Zöglinge auf eine nützliche Art wirken. Die Real- kenntnisse geben dem Zöglinge nützliche praktische Be- griffe, von denen er späterhin in seinem ganzen Leben guten Gebrauch machen kann. Unter der guten Leitung des Herrn Kurators von Günderrode, der einsichtsvollen Erfahrung des Herrn Senior Hufnagel²), können die beiden trefflichen Männer Matthiae) und Popp) zweckmäßig zusammen wirken, zumalen, wenn die Zög- linge durch die Grunerische ⁵5) Muster-Schule gut vorbereitet sind. Aus dem Protokoll habe ich ersehen, daß die

den Professoren seine Zufriedenheit auszusprechen. Doch auch mit Tadel hält er nicht zurück; die Menge der Orthographiefehler in den deutschen Aufsätzen wird beanstandet, es wird als ein Skandal bezeichnet, wenn in lateinischen Aufsätzen der dritten Klasse zwanzig bis dreißig grammatikalische Fehler vorkommen.

¹) Consistorial-Akten, Gymnasium, VIII, Nr. 234 b.

²) Seit 1791 Senior des Predigerministeriums, vgl. Stricker, Erinne- rungsblätter an Wilhelm Friedrich Hufnagel, Frankfurt a. M. 1851.

²) Altphilologe.

4) Physiker.

) Gottlieb Anton Gruner, seit dem 4. März 1805 Leiter der Muster- schule; er hatte die Lehrer der Musterschule in dieErfindung Pestalozzis eingeweiht(R. Froning, Geschichte der Musterschule, Festschrift zur Hundert- jahrfeier, Frankfurt a. M. 1903, S. 44 ff).