4—— Hülfe einer Lupe genau auf den Nullpunkt der Skala ein. War dies geschehen, so wurde die Röhre an dem oberen Drittel der Skala mit Siegellack festgekittet. Damit man aber durch den Siegellack die Skala nicht beschädige und zu anderen Versuchen unbrauchbar mache, hat man an der Stelle, wo die Röhre festgekittet werden soll, unter ihr einen Papierstreifen um die Skala zu legen.,
Um das zum Kalibrieren nötige Quecksilber einzufüllen, hatte ich einige kleine Glas- trichterchen in eine lange Spitze ausgezogen. Die scharfen Ränder der Spitzen schmilzt man an der Gasflamme um, damit nicht ein Kratzen an der Röhrenwand stattfindet. Da man zu der Kalibrierung nur gleiche und zwar kleine Mengen Quecksilber einzufüllen hat, so hatte ich ein kleines Glasröhrchen unten zugeschmolzen und an ein Stielchen von Holz mittelst Siegellack be- festigt. Dieses Glasröhrchen, oder besser gesagt Löffelchen, wurde durch ein Trichterchen, welches in einen Ständer eingeklemmt war, und in welches man bequem das Quecksilber eingiessen konnte, gefüllt. Dadurch, dass man die Spitze des Trichterchens nahe an den Boden des Löffelchens hält, verhütet man auch, dass sich kleine Luftbläschen einschleichen. Zur Beseitigung des über- flüssigen Quecksilbers streicht man mit einem Glasblättchen über das eben geschliffene Ende des Löffelchens hin. Aukf diese Weise konnte stels die gleiche Menge Quecksilber in die Röhre ein- gefüllt werden.
Doch der eingefüllte Quecksilberfaden bewegt sich nicht von selbst in der Röhre weiter, weil die durch das Quecksilber abgefangene Luft nicht aus der Röhre entweichen kann. Diess liess sich dadurch bewerkstelligen, dass ich einen dünnen Stahldraht bis unter den Quecksilber- faden in die Röbre einführte. Auf diese Weise kann man den Quecksilberfaden bis an das zuge- machte Ende der Röhre bringen, doch liegt noch die Gefahr nahe, dass der Stahldraht in die Wände der Röhre einkratzt. Die geringste derartige Verletzung kann aber ein Springen der Röbre veranlassen. Daher ist es nötig, das Ende des Drahtes mit einer Masse zu umgeben, welche die Röhrenwand nicht beschädigt. Am besten benutzt man hierzu Siegellack, indem ein ganz kleines Tröpfchen davon an das Ende des Drahtes angeschmolzen wird. Ferner ist beim Einführen des Drahtes einige Vorsicht nötig, dass derselbe nicht am oberen Rande der Röhre reibt. Denn auch hierdurch können kleine Einschnitte entstehen, durch welche kleine Stückchen der Röhre abspringen.
Hat man nun auf diese Weise den grössten Teil des Quecksilbers bis zu der betreffenden Stelle fortbewegt, so bemerkt man oft noch kleine Tröpfchen Quecksilber, welche längs der Röhrenwand haften. Am bequemsten ist es, mehrere solcher kleinen Tröpfchen zusammen zu bringen und zu einem grösseren Tropfen zu vereinigen, welcher dann leicht von selbst bis zu dem Quecksilberfaden hinabrutscht. Dies Vereinigen der Tröpfchen geschieht durch mässiges Klopſen an der Röhre oder, indem man ein Pferdehaar zwischen den Fingern drehend in der Röbre fortbewegt.
Die Kalibrierung wurde nun so ausgeführt, dass ich auf die oben beschriebene Weise eine kleine Menge Quecksilber eingoss und dessen Höhe mittelst eines Fernrohrs ablas. Darauf goss ich ein zweites Quantum Quecksilber ein und las wiederum dessen Höhe ab. So wurde fort- gelahren bis zu dem Punkte, bis zu welchem ich die Röhre kalibrieren wollte. Die Längen der einzelnen Quecksilberfäden findet man in der zweiten, vierten und sechsten Columne der Tabelle A der Kalibrierungstabellen für Röhre 2, 3 und 4. Diese Längen der einzelnen Quecksilberfäden können nicht gleich sein, da keine Röhre durchweg gleiches Kaliber hat. Für Röhre 4 ist z. B. der erste Quecksilberfaden 27,90 mm, der zweite 27,20 mm, der dritte 27,10 mm lang. Aus diesen einzelnen


