Aufsatz 
Der Anschluss Hessen-Cassels an Preussen im Siebenjährigen Kriege / Theodor Hartwig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

fenen Maszregeln hörte, als von Fluchtversuchen des Erbprin- zen, welche durch die Machinationen eines kaiserlichen Ge- sandten unterstützt würden, verlautete, und als gar erzählt wurde, dass ein besonderer Artikel des östreichisch-französi- schen Bündnisvertrags die Nichtigkeit der Assecurationsakte so hiesz die vom Erbprinzen zu Guunsten der Protestanten ausgestellte Versicherungsurkunde ausspreche, da muszten die Besorgnisse der Evangelischen sich um ein Beträchtliches steigern. Es war dies um so nothwendiger, da diese Frage auch in politischer Hinsicht eine grosze Tragweite besasz, in- dem ja die Stellung, welche Hessencassel in dem damals offen ausbrechenden Conflict einnahm, von ihrer Lösung abhieng.

Ich darf wohl auf Ihre Zustimmung rechnen, wenn ich in Anbetracht der Wichtigkeit dieser Angelegenheit und ihres speciell hessischen Interesses etwas länger bei ihr verweile. Es ist aber nicht möglich dieselbe zu verstehen, wenn man sich nicht die Charaktere der beiden darin handelnden Haupt- personen vom hessischen Hofe vor Augen führt.

Landgraf von Hessencassel war damals Wilhelm VIII. Geboren 1682, hatte er seit 1731 als Statthalter für seinen Bruder, den König Friedrich von Schweden, und seit 1751 in eignem Namen die Regierung des Landes geführt. Sein Vater, Landgraf Carl, hatte ihn in seiner Jugend von tüchtigen Lehrern unterrichten lassen und ihn dann zur weitern Ausbildung mit seinem älteren Bruder auf Reisen geschickt. Ein Jahr lang hatte er in Genf verweilt und mit den dortigen Patriciern mannigfache und dauernde Beziehungen angeknüpft. Hierauf hatte er Frankreich, die Niederlande und England bereist und war nachher in hol- ländische Dienste getreten. Unter dem groszen Oranier Wil- helm III. hatte er sich zum Feldherrn und Staatsmann gebildet und als Reitergeneral in dem spanischen Erbfolgekrieg zahl- reiche Proben seines unerschrockenen Muthes und militärischen Geschicks abgelegt. Auch nach dem Frieden von Utrecht hatte er die holländischen Dienste nicht verlassen, sondern sich viel- mehr entschlossen, sein ganzes Leben in dem Lande, welches