Aufsatz 
Der Anschluss Hessen-Cassels an Preussen im Siebenjährigen Kriege / Theodor Hartwig
Entstehung
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aufgewogen, in welchem sich diese zu Friedrich dem Groszen als dem mächtigen Fürsprecher des Protestantismus wuszten.

Es ist für das Verständnis der ganzen politischen Lage in jener Zeit vom gröszten Belang, dasz man diesen Gegensatz nicht aus dem Auge verliert. Die Thatsache aber, dasz der- selbe trotz der allgemeinen Abwendung von idealen Fragen, welche für die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts charak- teristisch ist, so wenig von seiner Schärfe verloren hatte, erklärt sich hanptsächlich daraus, dasz einestheils die Erinnerung an den furchtbaren Religionskampf des 17. Jahrhunderts in den Seelen frisch geblieben war und anderscits die Geistlichen und besonders die Jesuiten durch ihre Fehden nach Kräften dazu beigetragen hatten, das confessionelle Bewusztsein lebendig zu erhalten. Der Glaube an die Möglichkeit eines Religionskrieges zwischen Katholiken und Protestanten war noch nicht erschüttert. Klagte doch noch im Jahre 1756 der Erzbischof von Mainz dem holländischen Gesandten, dasz er, wie die Stimmung der beiden Religionsparteien sei, befürchte, alle Fürsten des Reichs in einen Religionskampf hineingezogen zu sehen s). Im Jahr 1727 schrieb der Erzbischof Schönborn von Trier an Karl VI., da voraus- zusehen sei, dasz der Kaiser, weil er keine männlichen Nachkommen habe, sich den Protestanten in die Arme werfen würde, so sehe er sich im Interesse des Katholicismus veranlaszt, in dem Falle sein Bisthum in französische Hände zu geben?). Ohne Frage gaben vielfach in der Politik confessionelle Gründe den Ausschlag. Wenn aber in dem siebenjährigen Krieg aus der confessionellen Stellung der Betheiligten nicht mehr poli- tisches Kapital geschlagen wurde, so hatte dies einfach seinen Grund darin, dasz Frankreich und Oestreich sich scheuten, offen die Fahne des Katholicismus zu erheben, weil sie dadurch

6) Relation des casselschen Gesandten Mann im Haag vom 25. Juni 1756. Assec. Act XIa.

²) Bericht Hilchenbach's vom 29. Nov. 1755. Herr von Castel ver- sicherte Hilchenbach, er wisse, wo das Original dieses Briefes und eine beglaubigte Copie desselben sich befände.