Aufsatz 
Der Anschluss Hessen-Cassels an Preussen im Siebenjährigen Kriege / Theodor Hartwig
Entstehung
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liminarien mittheilte. Später, je mehr sie erkannte, dasz England für ihre Zwecke nicht zu gewinnen sei, destomehr wandte sie sich diesem Lieblingsplane zu. Es ist ja bekannt, wie die Wiener Diplomatie in Paris alle Triebräder in Bewe- gung setzte, um das Ziel zu erreichen, wenn gleich allem Anscheine nach Maria Theresia ihrer Würde nicht so viel vergab, dasz sie der Marquise von Pompadour in eigenhändigen Briefen schmeichelte. Zu statten kamen ihr für ihre Wünsche die sittlich verrotteten Zustände des Pariser Hofes und der damit Hand in Hand gehende Verfall der französischen Staats- kunst, daneben freilich auch die persönlichen Stimmungen des Monarchen.Ludwig XV. vermeinte nämlich die Menge seiner Sünden durch gute Werke zudecken zu müssen, und als ein solches erschien ihm wie seinen Ahnen die Vernichtung der Ketzer. Gerade damals waren seine Häscher in eifriger Ver- folgungder Prediger in der Wüste begriffen. Geistliche wurden gehängt und Greise auf die Galeeren geschleppte³⁴). Die bisher gepflegte Verbindung mit den protestantischen Fürsten verursachte ihm Beklemmungen. Er selbst hat später zu Choiseul gesagt, Gott werde ihn nicht verdammen, wenn er die katholische Religion aufrecht erhalte, und er habe in keiner anderen Absicht sich mit Oestreich verbündet, als um den Protestantismus zu vernichten.

Das Bündnis mit den Franzosen hatte für Oestreich um so gröszern Werth, als dadurch auch die zahlreichen Alliirten, welche Frankreich unter den deutschen Fürsten besoldete, in das habsburgische Interesse gezogen wurden. Die Zustände an den meisten kleineren deutschen Höfen waren ja damals von der traurigsten Art 4). Neben französischen Moden hatten dort auch französische Sittenlosigkeit und Verschwendung ihren Einzug gehalten. Da aber die kleinen Länder nicht im Stande waren, die Kosten für die theueren Hofhaltungen aufzubringen, so

³) Worte Schaefers. 4) Vgl. Schlosser Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts, 4te Aufl. 11, S. 207 ff.