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Vergegenwärtigen wir uns zunächst die politische Situation der damaligen Zeit in ihren groszen Zügen ²). Am 18. October 1748 war zu Aachen der Friede unterzeichnet worden, welcher dem Kampfe um das Erbe Karls VI. ein Ende machte. Aber wer die Stimmung kannte, mit welcher ein Theil der pacis- cierenden Regenten ihre Unterschrift unter das Friedens- instrument setzte, wer einen Blick hatte für die vielfach nach wie vor widerstreitenden Iateressen der Staaten und dazu der brennenden Fragen gedachte, welche ihre Erledigung nicht gefunden hatten, der durfte sich sagen, dasz der Friede nur ein Waffenstillstand sei, den Streitenden durch augenblickliche Erschöpfung abgenöthigt, und dasz bald, wenn die Kräfte wieder erstarkt, ein neuer Sturm über Europa dahin brausen würde, noch heftiger und verderbenbringender vielleicht, als der, dessen Tosen sich eben gelegt hatte. Der Friede war zu Stande gekommen, weil ein unabweisliches Bedürfnis England und Frankreich dazu nöthigte, und man war auch deshalb bei den Verhandlungen übereilt und oberflächlich über die Schwie- rigkeiten hinweggegangen, deren Lösung allein dem Werke, das man schuf, eine Gewähr auf Dauer hätte geben können.
Am wenigsten verhehlte ihre Unzufriedenheit über diesen Friedensschlusz Oestreichs stolze Kaiserin Maria Theresia. Als der englische Gesandte, Lord Keith, kam, um ihrseine Glückwünsche zum Frieden abzustatten, liesz sie ihm sagen, eine Beileidsbe- zeugung würde besser angebracht sein. Sie hatte in dem Krieg, welcher ihr Reich in wunderbar raschem, nur in Oestreichs Geschichte öfters bemerktem Glückswechsel von dem Rande des Abgrunds zu glänzenden Erfolgen geführt hatte, sich mit der IHloffnung genährt, die Grenzen ihres Reichs weit in die deutschen hinausschieben zu können. Und nun hatte sie nicht nur auf Lande alle Eroberungen verzichten, sondern auch einen Theil ihrer italienischen Besitzungen opfern und, was für sie schwerer als
²) Die gegebene Zeichnung der allgemeinen politischen Lage hat zur Hauptunterlage das vortreffliche Werk von Arnold Schaefer, Ge- schichte des siebenjährigen Kriegs. 1. Bd. Berlin 1867.


