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Nein, dieſer mein dem Schöpfer ähnlich erſchaffenes Geſchlecht entwürdigenden Meinung bin ich nicht! Den Trieb, die Fähigkeit zur Sprache, das Verlangen und die Nothwendigkeit der⸗ ſelben hat Gott in unſeren Geiſt gelegt, nicht aber die Sprache ſelbſt. Wird je einer behaupten wollen, Gott habe den Menſchen das Eſſen, Schlafen u. ſ. w. gelehrt?... Was hat nun den Menſchen auf die Erfindung der Sprache geleitet?“... Die Antwort iſt:„Das Bedürfniß war die erſte Veranlaſſung, die jene hohe Fähigkeit bei den Menſchen geweckt hat.“
„Wie nur drückten ſich unſere Ureltern aus? Wahrlich eine gewichtige Frage, ſchwer zu entſcheiden und von Niemandem wird ſie wohl mit Gewißheit beantwortet werden können. Ich bitte Euch wiederholt, Ihr die Ihr vielleicht ſpottend auf dies, das Werk eines dreizehnjährigen Schülers herabſeht, die Ihr vielleicht über die Verwegenheit zürnet, daß ich bis zu jenem Knoten vordringe, den ſo viele ausgezeichnete Sprachkundige, ſo viele ſcharfſichtige Gelehrte nicht zu löſen vermochten— ich bitte Euch wiederholt, ſeht in dieſem unbedeutenden Verſuche nicht mehr, als die Befriedigung meines eigenen Vergnügens! Nur in der Hoffnung, daß meine geneigten Leſer dieſe Bitte berück⸗ ſichtigen, getraue ich mich in der Aufloͤſung meiner Fragen fortzufahren.— Zuerſt muß ich jetzt die Art und den Geiſt der Urweltſprache betrachten. Der Anfang dieſer werden wahrſcheinlich Aus⸗ rufungen(Interjectionen) und Empfindungsausdrücke geweſen ſein, welche man ja auch beim Thiere findet; ſo mögen z. B. die hellen Töne wie e, i, a, ei, ha u. ſ. w. die freudigen— die tiefen Töne hingegen o, au, u, oi, ui, hui die traurigen Gefühle ausgedrückt haben. Gewiß hat man auch ſchon frühzeitig Naturlaute nachgeahmt, wie das Donnern durch Dorrrrrrr und dergl. Dann iſt man vielleicht einen Schritt weiter gegangen. Man nannte die Dinge nach dem Schalle, den ſie hervorbringen, und ſo giebt es ja auch in neueren Sprachen ſolche Anſchauungswörter, wie im Deutſchen: Klingel, Donner, Kuh, brummen, ziſchen und viele andere. Aber bald mußte auch das nicht hinreichend geweſen ſein und ſo war man denn gezwungen, zum Ausdrücken deſſen, was man durch einen Schall nicht bezeichnen konnte, der Zeichen ſich zu bedienen. Davon mag die Bezeichnung der Zahlen durch Finger, ferner der Körpertheile u. ſ. w. der Anfang geweſen ſein.— Wenn auch eine ſolche Sprache keine geiſtreiche Unterhaltung gewähren konnte, ſo war ſie doch bei den wenigen Bedürfniſſen und kindiſchen Kenntniſſen der erſten Menſchen damals hinreichend, mußte aber natür⸗ lich dann auch mit dieſen ſich vergrößern; ein wiederholtes Bedürfniß nach einer vergrößerten Sprache ſtellte ſich ein. Bis jetzt— es ſei mir erlaubt von nun an in der Form der Gewißheit doch wenig⸗ ſtens zu reden— war dieſelbe ein Gemiſchvon Zeichen⸗ und Lautſprache, gewiß aber war dieſe vorherrſchend. Man hatte ſich ſchon gewöhnt, ſolche Dinge, welche einen Laut von ſich geben, nach dieſem zu benennen und bald nannte man auch Dinge anderer Art nach dem Eindruck, den ſie bei uns hervorbringen: etwas Düſteres mit dunkeln, etwas Freundliches mit hellen Tönen. So im Deutſchen ſchwarz, grau, düſter, dunkel, Trauer, und dagegen: hell, licht, ſchön— und ſolche Wörter finden ſich in allen(Ur⸗ oder Stamm⸗) Sprachen mehr oder weniger. Aber ſolche einfache Naturlaute konnten gewiß nicht lang ſein, ſondern höchſtens aus einem oder zwei Buchſtaben beſtehen. Solcher Be⸗ zeichnungen waren vielleicht: rr, die Kraft, Stärke.(Man vergl. Kraft, ſtark, Herr, griechiſch kyrios u. ſ. w.) So z. B.: Ij(hebr. ari, arje, der Löwe als das ſtärkſte Thier, ramſtark, mächtig)— II, das Nichts, Leere, lallen(Vergl. los, leer, laſſen. Wie in 1(0) nicht, beli mit nichten, bilthi allein, al nicht)— kk die Härte, Rauheit, beſonders mit r(vergl. Kraft Kerl) z. B. keren Horn(nach der Ausſprache der Alten wahrſcheinlich Chorn) lat. cornu, griech. kera, franz. corne, engl. horn.
Aber auch ſolche Wörter mußte Adam ſchon nöthig haben, welche Dinge bezeichneten, die weder


