Aufsatz 
Die Waldenser-Gemeinde Pragela auf ihrer Wanderung ins Hessenland : aktenmässige Untersuchungen / von Daniel Bonin
Entstehung
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Die Zuflucht, die den vertriebenen Waldensern des Thales Pragela von ihren Glaubensbrüdern in den piemontesischen Thälern gewährt worden, war von sehr kurzer Dauer. Lud- wig XIV. duldete nicht, dass seinen früheren Unterthanen in dem Gebiete des von ihm abhängigen Herzogs von Savoyen Unterkunft und freie Ausübung ihrer Religion gewährt würde. Der junge Herzog ward deshalb gezwungen, seinen Unterthanen die Aufnahme ihrer Glaubensbrüder aus den französischen Ge- bieten durch Androhung der strengsten Strafen zu verbieten. Ja der Einfluss Ludwigs auf Amadeus, den Herzog von Sa- voyen, ist so gross, dass dieser mit bewaffneter Macht gegen seine eigenen Waldenser vorgeht, wobei ihm die Scharen seines mächtigen Gebieters bereitwillige Hilfe leisten. Eine Vermitte- lung der protestantischen Kantone der Schweiz zu Gunsten der Waldenser scheitert an dem unheilvollen Einfluss des franz. Königs auf den Herzog. Todesmutig kämpften die tapferen Waldenser für Glauben und Heimat; doch bald waren sie nach mehreren, anfangs siegreichen Kämpfen von der Streit- macht des Herzogs und des franz. Hilfsheeres unter Catinat's Führung teils getötet, teils gefangen oder in die wildzerklüf- teten Berge versprengt. Während viele Tausende in den Fest- ungen des Landes einer unmenschlichen Behandlung preisge- geben waren, führten die in die Berge geflüchteten Waldenser einen so furchtbaren Rachekrieg gegen ihre Feinde, dass der Herzog den Waldensern freien Abzug zugestand, den diese aber nur unter der Bedingung annahmen, dass die Gefangenen aus den Festungen ebenfalls entlassen würden.

Von den gefangenen Waldensern waren ungefähr 4000 dem Elend noch nicht erlegen. Laut Vertrags vom 12. Okt. 1686 sollten diese in 4 Zügen von dem Herzog in das Gebiet der Schweiz entlassen werden. Bern traf am 6. Dezember folgende Anstalten zum Empfang der Flüchtlinge: 1. Jede Person erhält täglich 68 Kreuzer, welche ihnen die Land- vögte verabreichen, und Brot zu aus Weizen und ½ aus Korn, wie es für das Kriegsvolk bestimmt ist, aus den obrig- keitlichen Kornhäusern. 2. Sie werden von den Landleuten beherbergt. 3. Zu ihrer Bekleidung werden 5000 Ellen Lein- wand für Hemden verwendet und so viel gering Wollentuch