Die Waldenser-Gemeinde Pragela auf ihrer Wanderung ins Hessenland.
Aktenmässige Untersuchungen
von Daniel Bonin,
Oberlehrer an dem Grossh. Gymnasium und der Realschnle zu Worms.
Im Oktober 1685 war durch Ludwig XIV. das Edikt von Nantes aufgehoben worden, durch das einst Heinrich IV. von Frankreich den evangelischen Bewohnern seines Landes, wenn auch nicht gleiche, so doch annähernd gleiche Rechte mit der katholischen Bevölkerung eingeräumt hatte.
Die Aufhebung des Edikts von Nantes zwang die glaubenstreuen Hugenotten und Waldenser, ihr herrliches Vaterland zu verlassen, um in anderen Ländern eine neue Heimat zu suchen.
Auch Deutschland, das durch die Kriegsdrangsale des 17. Jahrhunderts so unendlich viel gelitten hatte, nahm eine sehr beträchtliche Zahl jener Glaubensflüchtlinge auf. Und während die deutschen Fürsten reformierten Bekenntnisses den meist hochgebildeten, unternehmungsstarken, gewerbethätigen Hugenotten die Hauptstadt ihres Landes und sonstige wichtige Plätze zur Ansiedelung gestatteten, ja geradezu empfahlen, wurden in den Staaten lutherischen Bekenntnisses die einfachen Waldenser, die meist Ackerbauer waren, auf dem Lande an- gesiedelt. 4
Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, der im jugendlichen Alter auf Hessens Thron berufen worden war, hat den in seinem Lande angesiedelten Waldensern die be-


