Aufsatz 
Nachtrag zum Album des akademischen Pädagogiums (1654 - 1779) / Emil Becker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

43

nach den Sommerferien noch einen ausserordentlichen Urlaub von einer Woche. Das Sedan- test fand in gewohnter Weise auf Spiegelslust statt, leider zum ersten Mal bei ungünstigem Wetter. Die Reifeprüfung wurde am 13. September unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial- Schulrats Dr. Baier abgehalten. Am Schluss des Semesters schied Herr Oberlehrer AShelm von uns, um seinem Wunsche entsprechend an das Königl. Ludwigsgymnasium in Saarbrücken überzutreten; unsere besten Wünsche geleiten den scheidenden Herrn Kollegen.

Das Winterhalbjahr begann am 13. Oktober mit der Einführung des Herrn Professor Dr. Schumann, der mit Herrn Oberlehrer Ashelm getauscht hat.

Wilhelm Schumann, geboren am 30. Mai 1858 zu Ruhrort, besuchte die höhere Bürgerschule zu Solingen, das Gymnasium zu Luckau N.-L. und das Königl. Joachimsthalsche Gynmasium zu Berlin, das er Herbst 1878 mit dem Zeugnis der Reife verliess, studierte in Berlin und Bonn vornehmlich die neueren Sprachen und bestand, nachdem er sich in Bonn den akademischen Doktorgrad erworben hatte, dase A im Juni 1883 die Staatsprüfung für das höhere Lehrfach. Vom Juli bis Herbst 1883 als kommissarischer Lehrer am G ym- nasium zu Elberfeld beschäftigt, absolvierte er von da ab bis Herbst 1884 das Probejahr, während er zugleich die Stelle eines wissenschaftlichen Hilfslehrers bekleidete, die er bis Ostern 1886 behielt. Darauf war er 6 Jahre am Progymnasium zu Trarbach als ordentlicher Lehrer und von Ostern 1892 bis Herbst 1905 am Königl. Gym- nasium zu Saarbrücken als Oberlehrer tätig. Am 19. Dezember 1903 zum Professor ernannt, erhielt er bald darauf den Rang eines Rates 4. Klasse.

Am Reformationsfest hielt der Probekandidat Herr Klee die Festrede. Am 23. No- vember besuchte der stellvertretende Departementsrat Herr Provinzial-Schulrat Dr. Kaisen den Unterricht in einigen Klassen.

Am 8. Dezember wurde die Anstalt von einem schweren Unglück heimgesucht. Nach dem in der Nacht erfolgten Bruch einer Leitungsröhre unter dem Pflaster der Nasernenstrasse war Gas in den Kellerraum eingedrungen, das vormittags 7 ½ Uhr bei der Offnung der Keller- tür durch Berührung mit dem Lichte des Heizers unter heftiger Detonation explodierte. Stark beschädigt wurden die Klassen II, und die Schülerbibliothek sowie die ornithologische Samm- lung. Aber betrübender war die schwere Verletzung des achtzehnjährigen Heizers Wilhelm Köth, der nach einer Stunde in der Klinik verstarb. Wir haben unsere Teilnahme an dem schrecklichen Ende des braven, pflichttreuen Jünglings durch Beteiligung an der Beerdigung bezeugt. Der verursachte Schaden ist inzwischen wieder ausgebessert worden, sodass der Unterricht nicht wesentlich gestört wurde, da eine Reserveklasse stets zur Verfügung steht. Eine Verschuldung an dem Unglück ist nicht nachzuweisen.

Zu Anfang des zweiten Vierteljahres wurde Herr Professor Dr. Wilhelmi als Mit- glied der Generalsynode 14 Tage dem Unterricht entzogen.

Am 27. Januar 1906 wurde das Geburtstagsfest des Kaisers durch eine Festrede des Herrn Professor Dr. Brackmann über dieXaiseridee, sowie durch Deklamationen der Schüler und Gesang gefeiert, am 27. Februar die Silberhochzeit des Kaiserpaares durch einen Vortrag des Herrn Professors Dr. Schumann überSilberhochzeiten preussischer Könige. Die mündliche Reifeprüfung fand am 28. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial- Schulrats Dr. Baier, am 1. März unter dem des Direktors statt. Der Berichterstatter trat am 1. März einen Urlaub an, der ihm zu einer Studienreise nach Griechenland bis zum 30. April bewilligt ist. In den Direktionsgeschäften vertrat ihn Herr Professor Dr. Wilhelmi, der dafür 3 Stunden Geschichte in II. an Herrn Professor Brackmann abgab, im Griechischen Hlerr Oberlehrer Engelhardt. Am 26. März wurde Herr Oberlehrer Stange auf 6 Wochen zu einer militärischen UÜbung einberufen.

Die Turnfahrt aller Klassen fand statt am 8. März d. J.

Der Gesundheitszustand war bei Lehrern wie Schülern befriedigend.

Am Ende des Schuljahres scheiden von der Anstalt die Herren Kandidaten Mager und Hitzeroth, von denen jener an das Realgymnasium in Witten, dieser an die Ober-

realschule i. E. in Cassel als Oberlehrer berufen ist. Der Berichterstatter spricht beiden Herren den Dank der Anstalt für die geleisteten Dienste aus.