Aufsatz 
Übersicht der bisher erschienenen Programmabhandlungen [des Königlichen Gymnasiums zu Marburg/L.] 1834-1891 / von Philipp Schäfer
Entstehung
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Die Herren von Hanau als Landvögte in der Wetterau. Von Oberlehrer Emil Becker.

§ 1. Einleitung. Nach dem Untergang der alten Gau- und Grafschaftsverfassung erscheinen in der Wetterau, jener fruchtbaren, von den Flüsschen Wetter, Nidda und Nidder durch- flossenen Gegend zwischen Taunus, Vogelsberg und Main, eine Anzahl von Dynasten und freien Herren, unter denen die Herren von Hanau eine ansehnliche Stellung einnehmen. ¹) Sie werden seit der Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt?) und führen damals den Namen von Dorfelden.) 1166 wird ein Konrad von Dorfelden genannt,¹) 1168 Reinhard von Dorfelden,5) wahrscheinlich ein Bruder dieses Konrad. Von einem dieser beiden stammt Reinhard II. von Dorfelden ab, der sich 1191 in einem Schutzbrief für das Kloster Konradsdorf neben Heinrich I. von Hanau findet.) 1234 teilten Reinhard III. von Dorfelden und Heinrich II. von Hanau ihr Erbe derart, dass Heinrich die Burg Dorfelden erhielt, wäührend Hanau mit Zu- behör an Reinhard fiel.) Nach Reinhards Tode nahm sein Bruder Heinrich den Namen von

1) Über die Geschichte der Herren und Grafen von Hanau liegen bisher folgende Arbeiten vor: J. A. Bernhard, Historie der Herren und Grafen von Hanau; nicht gedruckt, als Manuskript vorhanden auf dem Staatsarchiv zu Marburg. Wegener, Kurzgefasste Geschichte der Herren und Grafen von Hanau. Han. Magazin Bd. IV(1781) S. 291 ff. Schlereth, Geschichtsumrisse der Provinz Hanau in: Arnds Zeit- schrift für die Provinz Hanau Bd. I(1837) S. 305 ffl. Arnd, Geschichte der Provinz Hanau und der unteren Maingegend. S. 238 263. Dommerich, Urkundliche Geschichte der allmählichen Vergrösserung der Graf- schaft Hanau von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Aussterben des gräflichen Hauses 1736. Hanau 1860. Rehm, Diplomatische Geschichte der Herren und Grafen von Hanau bis zur Teilung in die Linien Münzenberg und Lichtenberg. Ztschr. d. Vereins f. hess. Gesch. u. Landeskunde, N. F. Bd. III(1871) S. 114 bis 261. Im Erscheinen begriffen ist eine mehr populäre Zwecke verfolgende Hanauer Ch ronik, heraus- gegeben von E. Zimmermann, bisher 9 Hefte.

2) Hauptquelle für die ganze folgende Darstellung ist das Hessische Urkundenbuch. 2. Ab- teilung. Urkunden zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau, herausgeggben von H. Reimer in: Publikationen aus den preussischen Staatsarchiven Bd. 48. 51. 60. 69. Ich citiere das Urkundenbuch der Einfachheit halber nur nach Band und Nummer, andere gleichlautende Drucke der Urkunden oder Regestenwerke führe ich nur dann an, wenm sie im Urkundenbuch nicht ver- zeichnet sind.

3) v. Schenk zu Schweinsberg hat in den Mitteilungen des Hanauer Bezirksvereins Heft 5 S. 1 23 und Heft 6 S. 23 31 den Nachweis geliefert, dass es zwei Geschlechter in der Wetterau gegeben hat, die sich nach der Burg Hanau nannten, die von Buchen-Hanau und die von Dorfelden-Hanau. Für uns handelt es sich nur um die Dorfelder Linie.

4) Gudenus, sylloge p. 582. Böhmer, reg. imp. Prid. I. 2512 ohne Angabe der Zeugen.

5) Joannis, rer. Mogunt. II p. 754.

6) I, 118.

7) L 184.