Aufsatz 
Festschrift des Realprogymnasiums (Realgymnasium ohne Prima) zu Marburg : mit welcher zur Teilnahme an der den 8. April morgens 10 Uhr in der Aula der städtischen Schulen stattfindenden Feier des 25jährigen Bestehens dieser Anstalt Namens des Lehrerkollegiums ergebenst einladet
Entstehung
Marburg 1891/92(1892), 1892-1892
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Schulfeiern.

Verſchiedener Art ſind die Gelegenheiten zu Schul⸗ feiern, die in gemeinſamer Verſammlung der Eltern, Lehrer und Schüler veranſtaltet werden. Den häufigſten Anlaß geben vaterländiſche Gedenk⸗ oder Feſttage; wahre Liebe zum deutſchen Vaterlande zu wecken, zu beleben und dauernd zu ſtärken, iſt zu aller Zeit eine der vor⸗ nehmſten Pflichten der Schule, insbeſondere an ſolchen Tagen. Die Geſchichte Preußens und Deutſchlands bietet der patriotiſchen Betrachtung ihren ganzen Reich⸗ tum dar und Aufgabe der Feier wird ſein, die Bedeu⸗ tung des Tages zum Verſtändnis zu bringen, durch Vergleichung und Klarlegung der Beziehung mit früheren Ereigniſſen der vaterlän diſchen Geſchichte. Wertvollſten Stoff bilden ferner Leben und Thaten der Glieder unſeres erhabenen Herrſcherhauſes und der großen Männer, die ſich um die innere und äußere Entwickelung des Vaterlandes, um Religion, Sitte und Wiſſenſchaft, um Gründung und Feſtigung des Staates hervorragende Verdienſte erworben haben. Es muß dem Schüler der Sinn und Zweck ſolcher nationalen Gedenktage klargelegt, die jedem Einzelnen entſtehende Pflicht ihm zum Be⸗ wußtſein gebracht werden, durch Nachahmung ſo großer Vorbilder des Genuſſes der leiblichen und geiſtigen Güter ſich würdig zu machen, welche deren Thatkraft ihm ge⸗ ſichert hat.

Bei ſolchen Grundſätzen, ſowie ſie bei unſeren Ver⸗ anſtaltungen leitend waren, ſind die Feiern von nicht zu unterſchätzender Wichtigkeit für das innere Leben und die äußere Stellung jeder Schule als Unterrichts⸗ und Erziehungs⸗Anſtalt; es iſt ihr nicht genug, über die engen Grenzen des Unterrichts hinaus den Schüler zu belehren, ſie ſtellt ſich die weitere und höhere Aufgabe, ihn durch Verwertung des ſittlichen Inhalts zu erziehen, und den Eltern zu zeigen, wo die Ziele der Er⸗ ziehung für die Anſtalt liegen. Denn die Erziehung iſt das gemeinſame Werk von Schule und Haus, und wenn es darum wünſchenswert, ja notwendig iſt, daß Eltern und Lehrer ſich über Weg und Ziel verſtändigen, ſo giebt die Schulfeier den Eltern beſondere und dankens⸗ werte Gelegenheit, Einblicke in das innere Leben der Anſtalt zu thun und ſo jene Wege und Ziele kennen zu lernen, auf und zu denen die Schule die ihr anvertraute Jugend zu führen beſtrebt iſt.

Der Gang der Feiern war der an allen höheren Lehranſtalten übliche: Schriftlektion und Gebet, Dekla⸗ mation und Geſang auf den Tag bezüglicher Gedichte und Lieder gruppierten ſich um die Rede eines Lehrers, als den bedeutſamſten Teil des Feſtes, inſofern ſie den aufgeſtellten Grundſätzen vornehmlich diente, wie aus den behandelten Stoffen zu entnehmen iſt.

Zwanzig Jahre hindurch feierte ſeit dem 22. März 1868 die Anſtalt mit freudigem und innigem Dank gegen Gott, der Ihm zu unſerem Heil ein ſelten hohes

Alter in körperlicher und geiſtiger Friſche zu erreichen verliehen hatte, den Geburtstag unſeres allverehrten und allgeliebten Kaiſers und Königs Wilhelms des Sieg⸗ reichen. Es wurden an dieſen Tagen folgende Themata von den Rednern in unſerem Sinne ausgeführt.

über den Anteil der guten Schulbildung des preußiſchen Heeres an den großen Siegen des Jahres 1866.

.(Der Berichterſtatter.)

über die Lage des deutſchen Volkes zu den Zeiten der

Einheit und der Zerſplitterung der deutſchen Volksſtämme. (Der Berichterſtatter.)

Charakterzüge Wilhelms I., wie ſie im großen Kriege zu unſerer Kenntnis gekommen ſind.(Der Berichterſtatter.)

Vergleichung zwiſchen dem deutſchen Reiche unter Kaiſer Friedrich I. und Wilhelm I.(Oberlehrer Dute.)

Bedeutung der Ereigniſſe des letzten Decenniums für Deutſchland.(Dr. Schäfer.)

Die Mittel, mit denen die Hohenzollern die innere Ent⸗ wicklung des Staates gefördert haben.(Leimbach.)

vezithunden der alten deutſchen Kaiſer zu Italien mit

Rückſicht auf die Reiſe Kaiſer Wilhelms I. nach dieſem Lande. (Wachsmuth.)

Leben und Wirken des erſten Staatsmannes und Patrioten des Jahrhunderts, des Fürſten Bismarck.(Dr. von Cölln.)

General von Werders unvergleichliche Führung der deut⸗ ſchen Süd⸗Armee.(Oberlehrer Dute.)

überblicküber die deutſche nationale Dichtung.(Leimbach.)

Das Stammſchloß der Hohenzollern zu Siegmaringen. (Dr. Schäfer.)

Die Lostrennung Lothringens und des Elſaß vom deutſchen Reiche. Götzerkopf) Die pädagogiſchen Anſichten Fichtes.(Böhmel.)

Die Geſchichte Marburgs im 12. und 13. Jahrhundert. (Schürmann.)

Leben und Regierung Friedrich Wilhelms III. von Preußen. .(Oberlehrer Dute.)

Preußens Verdienſte um Deutſchland im 19. Jahrhundert. (Hölzerkopf.)

Die Stellung Friedrichs des Großen zur Erziehung und zum Unterricht.(Böhmel.)

Untergang des alten und Wiederaufrichtung des neuen deutſchen Reiches.(Haaſe.)

Seit dem Jahre 1872 wurde gemäß Verfügung der höchſten Behörde der 2. September, der ruhm⸗ reiche Tag von Sedan zum Andenken an die gewaltigen Ereigniſſe der Jahre 1870 und 1871 von der Anſtalt feſtlich begangen, ſeit 1890 nur im Kreiſe der Lehrer und Schüler am Schluſſe des Morgen⸗Unterrichts.

Themata der Feſtreden waren:

Grund und Zweck eines deutſchen Nationalfeſtes und warum der 2. September zu einer ſolchen Feier ſich eigne. (Der Berichterſtatter.) Warum feiern wir nationale Erinnerungsfeſte und warum iſt eine Beteiligung der Jugend an ihnen wünſchenswert, ja geboten?(Der Berichterſtatter.) Welche Forderungen ſtellt die Gedächtnisfeier an uns und adieſoudern an die Jugend?(Der Berichterſtatter.) ie Losreißung Burgunds, Lothringens und des Elſaß vom deutſchen Reiche.(Der Berichterſtatter.)