Aufsatz 
Festschrift zur Begrüssung der ... Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner
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dieſer Poeſie ſo recht augenfällig, daß auch der höchſte philoſophiſche Gedanke nur dadurch poetiſche Kraft und Geſtalt gewinnt, wenn er in der Form des perſönlichen Erguſſes und durchlebter Stimmung auf uns eindringt. In dem erſten Monologe des Fauſt, in dem Ausdruck ſeiner Wiſſensqualen, in ſeinem ungemeſſenen Streben, ſich durch einen Akt der Begeiſterung unmittelbar in Einheit mit dem Objekt zu ſetzen und die Kluft von Denken und Sein aufzuheben, pulſiert die Triebkraft der ganzen Sturm- und Drangperiode, welche bei Goethe zu einem Ferment ſeiner eigenen Entwicklung ge⸗ worden iſt, während andere an ihr zu Grunde gegangen ſind. Der urſprüngliche Entwurf der Tragödie fällt in die Zeit, wo man überall und namentlich in der Kunſt mit dem Formalismus, mit dem durch überlieferung Geltenden brach und an die Stelle desſelben die un— mittelbare, ungebrochene Kraft des Gemüts ſetzte. Dem Pedantismus und der toten Form gegenüber war dieſer Bruch, die Berufung auf die Allmacht des menſchlichen Herzens höchſt berechtigt, denn der Geiſt war darin von dem richtigen Inſtinkte geleitet, daß aus dem Schoße der Innerlichkeit allein jene Form entſpringen müſſe, welche ſich der Geiſter bemächtigen wolle. Aber in dieſer Berufung auf die Unmittelbarkeit des Herzens, in der Abkehr vom Formalismus, ver⸗ höhnte man zugleich die Formbildung ſelbſt, die Beherrſcherin des Stoffs und geriet in das Schrankenloſe. Darin lag die Gefahr dieſer Periode. Ganz auf dieſem Boden, ins Ungewiſſe, Schrankenloſe hinaus zu ſtreben, ſich der Form, der Vermittlung, der Schranke zu ent⸗ ſchlagen, ſteht Fauſt auf dem Gebiete des Gedankens. Er will un⸗ mittelbar ſchauen, was nur durch Vermittlung, durch Zerlegung, durch die Arbeit des Beſondern unſer Beſitz werden kann. Fauſts Recht iſt das Recht der Poeten der Sturm⸗ und Drangperiode der toten überlieferung gegenüber. Wie dieſe ſich einer alt und hohl gewordenen Form entwinden, ſo kehrt ſich der Denker Fauſt gegen den For⸗ malismus der Wiſſenſchaft, welche den Trieb des Geiſtes nach Er⸗ kenntnis des Univerſums nicht befriedigen kann. Wie aber die Stürmer und Dränger mit der berechtigten Abkehr von der alten überlieferten Form zugleich die Form überhaupt und die Schranke verſchmähen und daher ins Formloſe abirren, ſo verkennt der Denker Fauſt, in⸗ dem er die Unzulänglichkeit des wiſſenſchaftlichen Formalismus für die Erkenntnis der Wahrheit erfahren hat, damit zugleich die Wiſſen⸗

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