Uorwort.
Wenn ich es unternehme, kaum drei Jahre nach dem Erſcheinen der letzten ausführlichen Arbeit über Burcard Waldis, in den folgenden Blättern abermals über Leben und Schriften desſelben zu handeln, ſo darf ich bei den Kundigen wohl auf Billigung rechnen, weil gerade dieſe letzte Zeit ſo manche neue Aufſchlüſſe über den merkwürdigen Mann gebracht hat, daß ſchon deshalb eine neue Zuſammenſtellung aller bis jetzt bekannten Nachrichten wünſchenswerth und von Wichtigkeit erſcheinen durfte. Ich habe daher mit friſchem Muthe Hand ans Werk gelegt und das vielbewegte, ereignißreiche, aber auch räthſelvolle Leben eines Mannes zu erzählen verſucht, der, obwohl in einer großen Zeit unter den Erſten durch That und Dichterwort voran⸗ ſtrebend, dennoch von der Nachwelt, am meiſten von ſeinem eignen Vaterlande vergeſſen wurde und ſo den Undank, den er ſo oft als das ſchwärzeſte Laſter gebrandmarkt hat, an ſich ſelbſt erfahren mußte.
Das vorliegende Schriftchen iſt nicht erſt vor Kurzem entſtanden: es wurde begonnen zu einer Zeit, wo noch keine der größern Biographieen des Waldis veröffentlicht war, und wo es in unſerm Lande bei dem Mangel faſt ſämmtlicher Schriften des Dichters mit großen Schwierigkeiten verbunden war, ſich ein lebendiges Bild von demſelben zu geſtalten. Dies iſt ſeitdem anders geworden; denn durch den rühmlichen Wetteifer der Bibliotheken iſt eine große Anzahl von Waldis' Schriften ſeinem Vaterlande gewonnen worden. Seit 1854, wo ich im hiſtoriſchen Vereine zu Hanau einen Vortrag über B. Waldis hielt, habe ich fortwährend für dieſen Gegenſtand geſammelt und dabei mein Augenmerk vorzüglich auf die Punkte gerichtet, über welche mir die bisherigen Biographieen allzu kurz zu ſein oder das Richtige nicht getroffen zu haben ſchienen. Ich beabſichtige nicht, in dieſer Abhandlung eine eingehende oder gar erſchöpfende Kritik der Waldis'ſchen Schriften zu geben; dennoch ſollen die letztern alle zu ihrer Zeit in der Erzählung erwähnt und kurz beſprochen werden, theils ſchon der Vollſtändigkeit


