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T. 3 (1910) Oberhessen
Entstehung
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ausmacht, dessen oberster Teil vom Reste eines glasreichen Trapp- stromes gebildet wird. Dieser stellt, von Giessen aus gesehen, einen sargartigen Aufsatz dar ¹. Von der Höhe des Schiffenbergs steigen wir nach Hausen hinab, gehen dann nach Garbenteich und betrachten den südlich von diesem Dorfe, am roten Hang, vor- kommenden Trapp, der an seiner Oberfläche in Bauxit umge- wandelt ist. Von hier aus gehen wir auf dem Jägerpfad nach dem früheren Kloster Arnsburg. Zu beiden Seiten der hier vor- überfliessenden Wetter finden wir Trappgesteine, überlagert von jüngerem echtem Basalt, dessen Feldspat stellenweise durch Leucit ersetzt ist. Am Wege vom Kloster zur Berger Mühle kann man diese UÜberlagerung an mehreren Stellen gut beobachten. An genannter Mühle findet man im Trapp schöne Oberflächen- formen. Oberhalb des Klosters liegen die alten Steinbrüche, aus denen das Material, Trapp vom Londorfer Typus oder Lungstein, stammt, woraus die Säulen des noch erhaltenen Kapitelsaales und der Kirchenruine hergestellt sind.

Bei Arnsburg sind wir an den westlichen Rand der zusammen- hängenden Basaltmassen des Vogelsbergs gekommen und mar- schieren nun in der Richtung nach Münzenberg. Nach kurzer Wanderung taucht die herrliche, doppeltürmige Münzenberger Burgruine vor uns auf. Die Höhe, auf der sie sich erhebt, ist eine primäre Basaltkuppe; der benachbarte Galgenberg und der Tellerberg stellen dagegen sekundäre,2 aus Trapp bestehende Kuppen dar. Das Liegende des Basaltes wird hier von tertiären Schichten gebildet. Diese sind als verkieselter Sandstein, sog. Blättersandstein, z. B. in einem grossen Steinbruche an dem in der Nähe der Burg gelegenen Steinberg gut aufgeschlossen. Man findet darin schöne Abdrücke von Pflanzen und Steinkerne von Muscheln(vergl. S. 16). Von Münzenberg fahren wir mit der Bahn nach Butzbach an der Linie Frankfurt-Giessen. Wer aber noch ein Braunkohlenbergwerk in der Wetterau besichtigen will, der gehe von Münzenberg nach der staatlichen Grube Ludwigshoffnung bei Wölfersheim' und benütze dann die Bahn nach Friedberg.

Jede dieser Exkursionen lässt sich im Laufe eines Sommer- tages bequem ausführen.

¹ Schottler, Die Basalte der Umgegend von Giessen a. a. O. S. 431 u. 434.

2 Sekundäre Kuppen sind aus Strömen oder Decken durch die Erosion entstanden; sie unterscheiden sich also von den primären dadurch, dass unter

ihnen kein Förderschacht steckt.(Vergl. S. 22 und 23.) 3 Steuer, Die Braunkohlenbildungen im Grossherzogtum Hessen etc.,

a. a. O. S. 100.