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T. 3 (1910) Oberhessen
Entstehung
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letzteren Ortes gelegenen Steinkopf. Hier steht in einem Stein- bruche Trapp vom sog. Ilbeshäuser Typus an, ein Gestein, das in dünnen Platten abgesondert ist und hell verwittert. Vom Steiu- kopf gehen wir durch Ilbeshausen nach dem Kieselgurbergwerk bei Altenschlirf. Zur Zeit der Basalteruptionen im Vogelsberg wurden hier in einem grösseren Teiche die zierlichen Kieselpanzer mikroskopisch kleiner Algen(Diatomeen) in ungeheurer Menge abgelagert, und es entstand dadurch eine Sedimentbildung, die man Kieselgur oder Diatomeenerde nennt. Sie liegt zwischen Tonschichten und ist von Basalt bedeckt, der sie vor der Ab- tragung schützte. Diese erdige Masse enthält 92% Kieselsäure und wird vielfach als Isolier-, Polier- und Putzmittel verwendet; zur Herstellung von Dynamit soll sie ihres Tongehaltes wegen viel weniger geeignet sein, als z. B. die Kieselgur der Lüneburger Heide. In einzelnen Schichten des Lagers findet man schöne Blattreste von Weiden, Erlen etc. Vom Bergwerk gehen wir nach Altenschlirf zurück und dann nach Herbstein.

4. Exkursion: Herbstein-Blitzenrod-Angersbach-Lauterbach.

Von Herbstein fahren wir mit der Bahn nach Blitzenrod und gehen an den Ostabhang des in der Nähe gelegenen Seibertsbergs. Hier ist am Bahneinschnitt ein Profil aufgeschlossen, das Basalt in Wechsellagerung mit Tuffen und Tonen zeigt!. Von Blitzenrod wandern wir dann auf der Landstrasse in der Richtung nach Lauterbach und besuchen die kurz vor diesem Städtchen gelegene primäre Basaltkuppe des Bilsteins. In dem hier ange- legten Steinbruche sieht man die vielen sechsseitigen Basaltsäulen in hervorragend schöner Meilerstellung angeordnet. Sie sind bis zu 10 m lang, 30 40 cm dick und werden meistens zu Prell- steinen an Chausseen verwendet(Abbildung siehe folgende Seite).

Von diesem herrlichen Aufschlusse begeben wir uns nun über die Höhe des Hainigs, auf der sich ein schöner Wald mit sehr alten Eichbäumen befindet, nach Angersbach im Maar- Fuldaer Graben. Hier treffen wir die bereits erwähnten Muschelkalk-, Keuper- und Jurareste an. Von ersterem kommt hauptsächlich der Wellenkalk mit Schaumkalkbänken vor, die u. a. die Muscheln Myophoria vulgaris und Lima striata, sowie den Armfüsser Terebratula vulgaris enthalten. Vom Keuper finden sich bunte Mergel, graue Sandstein- bänke und die glimmerreichen, schwarzen, kalkigen und sandigen

¹ Schottler, Uber die beim Bau der Bahn Lauterbach-Grebenhain ent- standenen Aufschlüsse, a. a. O. S. 30.

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