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Haben wir in den letzteren Erörterungen besonders die Basaltgesteine des Vogelsbergs behandelt, so wollen wir nun seinen Aufbau kennen lernen. Die vulkanischen Ereignisse, durch die diese grosse Basaltmasse nach und nach geschaffen wurde, be- gannen höchstwahrscheinlich in der jüngeren Tertiärzeit, im Miocän. Dies schliessen wir daraus, dass am Westrande des Vogelsbergs, in der Umgegend von Giessen die ältesten echten Basalte und Tuffe mit vermutlich miocänen Schichten wechsel- lagernl. Damals fanden in unserem Gebiete ausgedehnte Lava- ergüsse mit Aschen- und Schlackenregen statt, wodurch die ge- nannten vulkanischen Gebilde entstanden. Die in den Tuffen vorkommenden tertiären(miocänen?) Bildungen, wie z. B. Kalk- platten bei Rödgen und Allendorf a. d. L., oder verkieselte Kalke mit Süsswasserkonchylien bei Treis a. d. L. etc. sprechen dafür, dass diese Ausbrüche sich noch unter Wasser abspielten oder ihre Produkte wenigstens in stehende Gewässer abgesetzt oder in diese vorgeschoben wurden.
Nach der Ablagerung dieser Basalte erfolgte eine zweite Ausbruchsphase, in der vornehmlich grosse Trappmassen nebst Aschen und Schlacken ausgebreitet wurden. Zwischen ihnen hat man bis jetzt nirgends tertiäre Sedimente gefunden; es war also damals schon soviel festes Land in unserem Gebiete vorhanden, dass die vulkanischen Produkte grösstenteils über Wasser abgesetzt werden konnten. Nur die weit ins Vorland über das Randgebiet der älteren Basalte vorgeschobenen Ergüsse sind wohl zum Teil ins Wasser geflossen, so z. B. der Trappstrom, der bis in die Gegend von Steinheim am Main vorgedrungen ist, und der später von diesem Flusse durchsägt wurde. Hier sowie auch in der Gegend von Bad Nauheim und Butzbach steht nämlich der Trapp in un- mittelbarem Kontakt mit tertiären Sedimenten, die deutlich ge- frittet sind.
Die Trappströme zeigen häufig prächtige Oberflächenformen, wie sie schöner an den Laven des Vesuvs auch nicht vorkommen, und die eine ähnliche Ausbildung haben wie die Oberfläche von fliessendem Pech. Man trifft seilförmig gedrehte, wulstige und ge- runzelte Formen, Zungen und Tropfen. Diese sog. Fladen- oder Stricklava kommt überall im Vogelsberg vor, besonders schön an. den Lungsteinen der Brüche bei Londorf und Beuern.
Auch die andere Form der Oberfläche, die Blocklava,
² Schottler. Die Basalte der Umgegend von Giessen, a. a. O. S. 447.


