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T. 3 (1910) Oberhessen
Entstehung
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steigen die drei grossen, berühmten Nauheimer Sprudel auf, die aus den Jahren 1846, 1855 und 1900 stammen. Der jüngste und zugleich tiefste(207 m) wurde von Lepsius erbohrt. Die Nau- heimer Sole enthält vornehmlich viel Kochsalz, ist reich an Kohlendioxyd(Kohlensäure) und besitzt eine Temperatur von 30 35° C. Diese kohlensäurehaltigen Solquellen, wie sie ähnlich auch an anderen Orten der Wetterau vorkommen, sind als die letzten unscheinbaren Nachwirkungen vulkanischer Ereignisse aus früheren Zeiten anzusehen.

Lepsius ist anderer Ansicht; er schreibt:Die Kohlensäure der Quellen im niederrheinischen Schiefergebirge und in der Wet- terau entsteht dadurch, dass die in grösseren Erdtiefen abgesunkenen Schollen von mittel- oder oberdevonischen Kalken durch die hohe Temperatur ihres Ortes zersetzt werden; die in diesen Erdtiefen beweglichere Kieselsäure tritt mit dem Kalk in Verbindung und bildet Kalksilikathornfelse. Die Kohlensäure des Kalkes wird da- bei frei. Dass das erkaltende Magma so grosse Kohlensäuremengen, wie hier im niederrheinischen Schiefergebirge oder in der Wetterau aus der Erdtiefe zutage treten, ausscheiden sollte, halte ich für ausgeschlossen, weil aus den jetzigen Vulkanen und Laven selten und dann nur geringe Mengen von austretender Kohlensäure nach- gewiesen werden konnten. Wie dem nun auch sei, Tatsache ist, dass die Nauheimer Sole nicht in letzter Linie ihre heilkräftige Wirkung der Kohlensäure verdankt. Ausser zu Badezwecken wird Solwasser auch zur Gewinnung von Kochsalz durch Salinenbetrieb gebraucht.

Wie die Devongebilde vornehmlich im Westen der Wetterau verbreitet sind, so finden wir die Sedimente des Perms Rot- liegendes und Zechstein besonders im Osten ausgebildet. Das erstere kommt längs des Tales der Nidder von Vilbel bis in die Nähe von Selters, sowie in der Gegend vor dem Südwestrande des Vogels- bergs vor. An der Naumburg bei Kaichen besteht das Rotliegende unten aus groben Konglomeraten mit Quarzgeröllen, Quarziten und Kieselschiefern, auf die dann feinkörnige, graue Sandsteine und Schiefertone mit Pflanzenresten folgen. Man fand hier, sowie auch bei Erbstadt und Vilbel: Walchia piniformis, Calamites sp., Odon- topteris obtusa und verkieseltes Holz(Dadoxylon Rollei); von tierischen Organismen kamen vor: Krebse, Fische und Stego- cephalenreste.

¹ Lepsius, Notizen zur Geologie von Deutschland a. a. O. S. 13.