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T. 3 (1910) Oberhessen
Entstehung
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die in einem zähen, graubräunlichen Schlamm fest verpackt im Usatale, sowie an den Abhängen der Taunusberge bei Bad Nau- heim verbreitet sind, keine Flussabsätze, kein Gehängeschutt, sondern ausgedehnte Grundmoränen der Gletscher, die in der Haupt- eiszeit vom Taunuskamm nach Osten bis in die tertiären Vorberge der Wetterau sich herabzogen. Auch hält er die grossen An- häufungen von Basaltblöcken in vielen hochgelegenen Tälern des Vogelsbergs, so z. B. im Bereiche desSchwarzen Flusses ober- halb IlIbeshausen für Moränenreste aus der Haupteiszeit.

Gegen Schluss der Diluvialzeit ging das kalte, feuchte Klima allmählich in ein trockenes über; es kam die Steppenzeit, in der Löss und Flugsand sich ausbreiteten. Ersterer bedeckte dereinst jedenfalls den grössten Teil des Vogelsbergs, heute finden wir ihn vornehmlich noch an seinem Rande gegen die Wetterau zu und in dieser selbst in weiter Verbreitung. Im hohen Vogels- berg kommt er auch jetzt noch vor, aber nur in völlig entkalktem Zustande. In der nun folgenden Alluvialzeit machte sich allmählich ein wärmeres und feuchteres Klima geltend. Wo sich bisher die Steppe ausgebreitet hatte, entstand nach und nach Weideland und schliesslich der Wald, alles Veränderungen, die uns zur Gegen- wart überleiten. Die alluvialen Ablagerungen finden wir wie überall als Kies, Sand, Lehm etc. im TIeberschwemmungsbereich der Flüsse und Bäche unseres Gebietes.

Nach diesem kurzen Uberblick wenden wir uns nun der näheren geologischen Betrachtung von Oberhessen zu und schildern zunächst die Wetterau, dann Giessen und Umgebung und schliess- lich den Vogelsberg.

II. Die Wetterau.

Unter der Wetterau oder Wettereiba, wie sie in alten Ur- kunden genannt wird, verstand man ursprünglich wohl nur das Angelände des Flüsschens Wetter. Heute umfasst sie den Land- strich zwischen Taunus und Vogelsberg, der sich etwa von Butz- bach über Friedberg, Frankfurt a. M. und Höchst a. d. Kinzig bis Gelnhausen erstreckt. Der Geologe versteht darunter den süd- lichen Teil der erwähnten hessischen Senke, deren Bildung ebenso in der mitteloligocänen Tertiärzeit begann, wie die der ober- rheinischen Tiefebene, mit der sie ja im Zusammenhang steht.