— 29—
Nordostabhang des Kloppbergs, bei Hessloch, Dienheim nächst Oppenheim und anderen Orten. Die bei letzterem Dorfe mit den Letten des Cyrenenmergels wechsellagernden gelblichen Schleich- sande waren in verschiedenen Jahren(1781, 1845, 1881 und 1887) die Ursache von verheerenden Bergrutschen, denen die wertvollen Weinberge an den dortigen Abhängen zum Opfer fielen. Da nämlich die Schichten des Bergabhanges über Dienheim etwas nach Osten einfallen, so wird das besonders im Frühjahr oben auf dem Plateau eindringende Schnee- und Regenwasser in den Schleichsanden nach diesem Dorfe fortgeleitet. Dadurch werden die Lettenbänke feucht und plastisch und rutschen sowohl aufein- ander, als auch auf den lose eingeschalteten Sanden ab.—
Damit sind wir am Ende unserer Betrachtungen über den Oyrenenmergel und kommen jetzt zu jenen Kalkablagerungen, die im Mainzer Becken mit der langsamen Umbildung des Brack- wassersees zum Süsswassersee während der nun folgenden Miocän- zeit entstanden sind.„KAusserlich“, schreibt Lepsius,„stehen diese als Cerithien-, Corbicula und Litorinellenkalke bezeichneten Stufen durch ihre vorherrschenden und mächtig entwickelten Kalkabsätze im Gegensatz zu den älteren Sand- und Tonschichten sowie zu den jüngeren Sand- und Lehmbildungen. Ihre Fauna nimmt entschiedener als im Cyrenenmergel den Charakter von brackischen und Süsswasser-Tieren an, und unterscheidet sich in ihrer Gesamt- heit weit schärfer von den Faunen gleichaltriger Bildungen anderer Gegenden Europas, als die der übrigen tertiären Stufen des Mainzer Beckens“.
Die unterste Abteilung dieser Kalke ist
Der Cerithienkalk.
Ungefähr in der Mitte zwischen Mainz und Worms thront auf einem mit Reben bepflanzten Höhenzug die schöne Ruine der einstigen Reichsveste Landskron. Malerisch liegt zu ihren Füssen die am Abhang unweit des Rheines terrassenartig erbaute Stadt Oppenheim, das römische Bauconica, überragt von einem der herr- lichsten Denkmäler gotischer Baukunst, der Katharinen-Kirche. Dieser Höhenzug besteht grösstenteils aus Cerithienkalk, der in Steinbrüchen auf der Höhe nahe der Ruine, sowie am nördlichen Ende der Stadt aufgeschlossen ist. Schon viele Jahrhunderte sind diese Brüche in Betrieb und haben dereinst Material geliefert zum Bau der Landskron, des Domes zu Mainz und wahrscheinlich auch zu dem der Katharinenkirche. In den unteren Brüchen sind die


