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T. 2 (1909) Rheinhessen
Entstehung
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Der Cyrenenmergel hat in unserem Gebiet eine weite Ver- breitung, und in der Regel bestehen die Abhänge der Täler aus den Gebilden dieser tertiären Stufe; besonders gut lassen sich diese im Flussgebiet der Selz studieren, wo die Schichten durch die Anlage von Weinbergen aufgeschlossen sind. Die Letten werden besonders zur Fabrikation von Ziegeln und Backsteinen verwendet und zu diesem Zweck in grossen Gruben bei Nierstein, Niederolm, Niederingelheim, Sprendlingen und Wöllstein ausgebeutet.

Für den Cyrenenmergel sind feinkörnige, etwas wasserhaltige, zuweilen zu Sandstein verkittete, tonige Sande charakteristisch, die unter dem Namen Schleichsande bekannt sind. Sie enthalten viele Versteinerungen, die auch im Meeressand vorkommen und werden deshalb auch obere Meeressande genannt. Die Beschaffenheit und Lagerung der Schleichsande lässt sich gut beobachten in der Gegend von Stadecken und Elsheim, die an der Nebenbahn Ingel- heim Partenheim liegen.

Sie treten hier als sehr feinkörnige, hellgraue und gelblich- graue Quarzsande mit vielen fein verteilten Tonteilchen und kleinen Kalknieren auf. Diese sogenannten Elsheimer Meeressande ent- halten eine reiche Molluskenfauna, von der wir besonders die marinen Gattungen Perna, Pectunculus, Cytherea, Cardium, Trochus Chenopus und Natica nennen. In den Sanqdsteinen dieser Schleichsande findet man auch Pflanzenreste, die meistens aus Blattabdrücken bestehen. Diese stammen besonders von Zimt- und Kampferbäumen, aber auch solche von Eichen, Buchen, Erlen, Kastanien, Walnuss- und Feigenbäumen sind darunter.

Aus diesem Vorkommen von Baumformen der warmen und gemässigten Zone hat man geschlossen, dass das Klima während der oberoligocänen Zeit hier noch subtropisch war mit etwa 20° C. mittlerer Jahrestemperatur, wie einst im Mitteloligocän in der Gegend von Flörsheim a. M. oder überhaupt im Mainzer Becken. Heute beträgt diese Temperatur in Rheinhessen nur noch 9 10⁰ C.

Die Schleichsande sind in unserer Provinz ziemlich weit verbreitet und vielfach aufgeschlossen, da sie von Bächen leicht durchschnitten und in Ermangelung besseren Materials als Mauer- sand abgegraben werden. Ausser an den genannten Lokalitäten findet man sie noch bei Niederolm, Udenheim, Schornsheim, am

¹ Ober Vegetationserscheinungen in Rheinhessen siehe E. Ihne, Phaeno- logische Karte des Frühlingseinzugs im Grossherzogtum Hessen, Darmstadt 1905, und die Erläuterungen dazu in der Hess. Landwirtschaftl. Zeitschrift, Jahrg. 1905,. Nr. 32.