höchsten Baumkronen hinweg mit Schling- und Rankengewächsen durchflochten war. Verwandte dieser Pflanzen wachsen heute in subtropischen Gegenden, z. B. in Süd-Japan und den südlichen Staaten von Nord-Amerika. Zur mitteloligocänen Zeit herrschte also im Mainzer Becken ein warmes Klima mit einem Jahresmittel von etwa 200 C.
Damit nehmen wir Abschied von den ältesten Tertiärbildungen des Mainzer Beckens und wenden uns zu der nächst höheren Stufe dem
Cyrenenmergel.
Gegen das Ende der Mitteloligocänzeit veranlassen Hebungen und Senkungen des Bodens ein langsames Zurückweichen des Meeres im Süden und Norden von Deutschland; eine Folge davon ist die allmähliche Isolierung des Mainzer Beckens. Dadurch wird diesem immer weniger Meerwasser zugeführt, und es entsteht durch die einmündenden Flüsse hier nach und nach eine Mischung von salzigem und süssem Wasser, die den Namen„Brackwasser“ führt. Auf dem Boden dieses Beckens entstehen nun Sedimente, die ebenso wie der Rupelton einen zähen Mergel darstellen, aber von hellerer Farbe sind als jener und keine marine, sondern brackige Ablagerungen mit Süsswasserbildungen darstellen. Letztere treten besonders im Verein mit dünnen Braunkohlenflözen auf, wie z. B. in einem Aufschluss nächst dem Bahnhof Ingelheim a. Rh. Diese auf den Septarienton folgende tertiäre Stufe des Mainzer Beckens führt den Namen Cyrenenmergel nach der in einigen Lagen häufig vorkommenden Muschel Cyrena semistriata(Taf. I Fig. 7). Ausser diesem Leitfossil findet man in gewissen Schichten noch viele andere Mollusken(Buccinum cassidaria, Taf. I Fig. 6, Cytherea incrassata, Taf. I Fig. 8, etc.), unter denen Brack- und Süsswasser- formen eine wesentliche Rolle spielen. Von den Schnecken mögen hier die verschiedenen Cerithienarten nebst ihren Varietäten angeführt werden. Es sind dies Cerithium plicatum, var. papillatum, var. Galeotti und var. intermedium, ferner C. Lamarcki, C. abbreviatum und schliesslich C. margaritaceum. Das schlanke, kegelig turmförmige mit vielen Knötchen besetzte Gehäuse dieser Schnecke ist auf Taf. I, Fig. 5 dargestellt und gehört zu den schönsten Versteine- rungen des Mainzer Beckens. Als Fundorte dieses Fossils, sowie der meisten übrigen Versteinerungen dieser Letten nennen wir den Sommerberg bei Alzey, die Gegend bei Heimersheim, Sulz- heim, Sprendlingen, Niederingelheim(Gruben am Bahnhof), Nieder- olm und Hackenheim bei Kreuznach.


