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zeit bei der Anlage der genannten Bierkeller und neuerdings (1906) bei den Fundamentierungsarbeiten des erwähnten Hochzeits- turmes sowie der daneben errichteten Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe aufgeschlossen wurden. Vielfach trifft man noch Bruchstücke dieser Gänge auf den Feldern am höchsten Punkte des Kirchenwegs, am Steinberg, an.
Südlich von diesem Wege in der Nähe des Forsthauses Böllenfalltor und gegen den Waldrand der Ludwigshöhe zu nimmt der Granit eine vollständig andere Struktur an, er wird fein- körniger, sein Gehalt an Quarz grösser(bis 75%), an Feld- spat und Glimmer dagegen geringer, und die Hornblende ver- schwindet ganz.
Das Gestein sieht dem bisher geschilderten kaum noch ähn- lich und wird Glimmer- oder Biotitgranit genannt. Er ist schön aufgeschlossen in einem im Walde unweit des Kirchenwegs ge- legenen Steinbruche nordöstlich von dem genannten Forsthause und von hier zu verfolgen bis Messel, Rossdorf, Ober-Ramstadt, Reinheim, Gross-Bieberau usw.
Nach dieser Schilderung der bei Darmstadt vorkommenden Granitarten dürfte die Frage von Interesse sein: Wie ist denn der Granit entstanden? Vor etwa 150 Jahren betrachtete die noch junge geologische Wissenschaft den Granit und die verwandten Gesteine als die Erstarrungskruste der Erde, als das Urgestein, auf dem sich alle späteren Bildungen, darunter z. B. auch der Basalt aus dem Wasser abgesetzt hätten. Die Vulkane sah man als lokale Erscheinungen der allerneusten Zeit an, die durch Ent- zündung von unterirdischen Kohlenflözen hervorgerufon werden u. a. m. So lehrte die Schule der Neptunisten. Ihr Hauptver- treter war der berühmte Freiberger Geologe Gottlob Abraham Werner, und auch Göthe, der sich viel mit geologischen Fragen beschäftigte, zählte zu den eifrigen Anhängern dieser Lehre. (Faust, Walpurgisnacht.)“ Gegen die neptunistischen Theorien traten die„revolutionären“ Plutonisten auf. Sie nahmen an, alle Massengesteine vom Granit bis zum Basalt seien aus Schmelzflüssen erstarrt, und der Begründer dieses Systems, der Schotte Hutton, ging sogar so weit, die Verfestigung der Meeres- sedimente zu Sandsteinen, Kalk, Schiefer etc. durch die Ein- wirkung der Erdwärme zu erklären. Mit grosser Erbitterung und Hartnäckigkeit wurde der Streit über die verschiedenenen Lehr-
¹ Frech, Aus der Vorzeit der Erde, Leipzig 1905, S. 1, 2 u. 3.


