Lehrplan.
§ 1. Zweck.
Der Unterricht im geometrischen Zeichnen und in der darstellenden Geometrie hat den Zweck, den Schüler mit den wichtigsten Darstellungsmethoden(schiefe und senkrechte Projektion auf eine Tafel, Grund- und Aufrißverfahren, Perspektive) vertraut zu machen und dadurch— gemeinsam mit dem Unterricht in Geometrie und im Freihandzeichnen— die Raumvorstellung zu entwickeln; außerdem soll Fertigkeit im Gebrauch der geometrischen Zeicheninstrumente erzielt werden.
§ 2. Methode.
Der Unterricht beginnt mit einigen Aufgaben über planimetrische Konstruktionen und geht, sobald die ersten Schwierigkeiten im genauen Konstruieren und Ausziehen überwunden sind, zum Räumlichen! über. Den Ausgangspunkt bildet dabei der Körper als das konkret Gegebene; aus der Darstellung des Körpers wird die des Punktes, der Geraden und der Ebene ganz allmählich abstrahiert unter stetem Zurückgehen auf Körperformen in Natur, Kunst und Technik.
Modelle von hinreichender Grötze sowie freihändig zusammengestellte Anschauungs- mittel sind reichlich zu verwenden, doch so, daß sie nicht zu Eselsbrücken herabsinken. Vielmehr soll die Raumphantasie allmählich so entwickelt werden, daß das sinnliche An- schauungsmittel mehr und mehr zurücktritt. Drahtmodelle sind den undurchsichtigen Holz- und Pappemodellen vorzuziehen, sofern es sich nicht um den Umriß oder ähnliches handelt. Durch Schattenprojektion kann man die Entstehung der Bilder und insbesondere die Ueber- gänge der einzelnen Bildformen in einander deutlich zeigen.*
Bei der Durchnahme neuen Unterrichtsstoffes entwickelt der Lehrer die Figur an der Tafel in gemeinsamer Arbeit mit den Schülern; das Verfahren ist anfangs rein anschaulich und steigt ganz allmählich zu größerer Strenge auf; ausgedehnte theoretische Erörterungen verbieten sich durch den Mangel an Zeit.“ Die Ergebnisse der Besprechung werden kurz zusammengefatt; dabei genügt es nicht, die zur Konstruktion nötigen Linien anzugeben, viel- mehr muß die Konstruktion räumlich gedeutet und auf die Eigenschaften des darzustellenden Raumgebildes zurückgeführt werden. Aber auch das ebene Bild muß vor Beginn des Zeichnens dem Schüler hinlänglich vertraut sein, so daß er es aus den notwendigen Bestimmungsstücken in freier Weise konstruieren kann.“ Nachdem der Lehrer auf etwaige Fehlerquellen auf-
* Die im Text eingefügten Ziffern verweisen auf die Anmerkungen.


