Aufsatz 
Die Einführung der Reformation in Hanau / vom außerordentl. Pfarrer und Reallehrer Julius Scheer
Entstehung
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wiederkehren, vom vermeintlichen Eheſtand abſtehen und ihre Eheweiber verlaſſen würden, zum Empfang der heiligen Ordination anzuweiſen, da ſie alsdann wieder aufgenommen werden ſollten.

Da aber Graf Philipp III. damals in Hanau nicht anweſend war, ſo wurde dem Ueberbringer ein Recepiſſe ausgeſtellt, dem Pfarrer Enneobolus aber eine Widerlegung des erzbiſchöflichen Briefes aufge⸗ tragen. Dieſes Eingreifen des Erzbiſchofs von Mainz in die Hanauer kirchlichen. Angelegenheiten war aber ganz erfolglos, denn wir erfahren, daß gerade im folgenden Jahre 1550 der Hanauiſche Kaplan Melmann in den Eheſtand eintritt, indem er dem Abte Peter Lotich von Schlüchtern, ſeinem hochverehrten Lehrer, am 9. Sept. 1550 Mittheilung macht, daß er ſich verehlichen wolle und ihn auf den 11. Dec. desſelben Jahres zu ſeiner Hochzeit einladet.

Während nun die katholiſche Partei über die evangeliſche triumphirte, da trat mit einem Male eine unerwartete Wendung der Dinge ein durch den Uebertritt des Herzogs Moritz zu der Partei ſeiner Reli⸗ gionsgenoſſen. Dadurch gieng der Kaiſer, der ſogar in der Gefahr geſchwebt hatte, in Inſpruck vom Herzog Moritz gefangen genommen zu werden, 1552 den Paſſauer Vertrag ein, wonach den Anhängern der augsburg. Confeſſion freie Religionsübung bis zu einem allgemeinen Reichstage bewilligt wurde. Dieſer Reichstag fand dann 1555 zu Augsburg Statt, woſelbſt durch den augsburger Religionsfrieden den Katholiken und den Bekennern der augsburg. Confeſſion völlig gleiche Rechte eingeräumt wurden.

Leider ſollte Enneobolus dieſen Umſchwung der Dinge nicht mehr erleben, denn ſchon am 28. Juli 1552 ſtarb dieſer eifrige und muthvolle Streiter, deſſen Namen für alle Zeiten mit der höchſten Achtung genannt werden muß, und deſſen Andenken auch inſonderheit in Hanau nicht verloren gehen darf.

III. Periode. 1552 1593. Streitigkeiten innerhalb der evangeliſch-lutheriſchen Kirche zu Hanau.

Bald nach des Enneobolus Tode wurde ein junger Pfarrer von Frankfurt, Caſpar Neſer, in Hanau angeſtellt. Obwohl nun 2 Pfarrer, Melmann und Neſer, vorhanden waren, ſo ſah man ſich doch nach einem älteren erſten Pfarrer um, da beide Geiſtliche noch zu jung waren, als daß man ihnen den Ausbau des Reformationswerkes hätte allein anvertrauen können. Die Wahl fiel auf Nicolaus Krug, der aus dem Hanauiſchen Städtchen Steinau gebürtig war. Er hatte in ſeiner Jugend zu Wittenberg ſtudiert und war hierauf zu Leißnik in Sachſen lutheriſcher Pfarrer geworden, woſelbſt er auch zum Superintendenten befördert worden war.

In der Kirche zu Leißnik hatte er noch viele päbſtliche Ceremonien vorgefunden, die in Hanau ſchon längſt abgeſchafft worden waren, als Meßkleider, Weſterhemd, Exercismus und die Kreuze, die er jedoch in ſeiner Kirche dann alle beibehielt. Nachdem Pfarrer Krug 1553 in Hanau angekommen war und ſeine Stelle angetreten hatte, ſo ließ er ſich gleich von Anfang an merken, daß ihm manches in der Hanauiſchen Kirche nicht recht ſei. Bald auch fieng er an, ſeine Unzufriedenheit laut zu äußern, indem er die von Enneobolus herrührende Kirchenordnung tadelte und auch gegen ſeine beiden Mitpfarrer, Melmann und Neſer, vorgieng, die er für Zwinglianer auszurufen anfieng, da ſie der Einführung der päbſtlichen Cere⸗