Die Einführung der Reformation in Hanan.
Heit meinem Aufenthalte in Hanau war es mein ſteter Wunſch geweſen, den Confeſſionsſtand der Hanauiſchen Kirche auf Grund der eingeführten Reformation kennen zu lernen. Durch die widerſprechenden Anſichten, welche die Reformation bald auf reformirten bald auf lutheriſchen Urſprung zurückführten, veranlaßt, habe ich eine ſorgfältige Prüfung des mir zugänglichen Materials vorgenommen und beſtimmte Reſultate gefunden.
Hoffentlich dürfte dieſe Abhandlung auch weiteren Kreiſen, inſonderheit den Bewohnern unſerer Stadt Hanau nicht unwillkommen ſein, da es ja doch für jedermann eine Pflicht iſt, nicht blos mit der Geſchichte ſeines Volkes, ſondern auch mit der Geſchichte der Kirche, in der man geboren und erzogen i*ſt, ſich bekannt zu machen.
Als Hülfsmittel bei der Beantwortung der Frage nach dem Confeſſionsſtande unſerer Kirche auf der Grundlage der Reformation iſt mir beſonders willkommen geweſen die„Geſchichte von der Kirchen⸗ reformation in der Grafſchaft Hanau⸗Münzenberg vom Jahre 1523— 1610, zuſammengetragen von Friedr. Brammerell, Secretar bei dem hochfürſtlichen evangeliſchen reformirten Conſiſtorio zu Hanau. Hanau 1781“. Der geſchichtliche Theil dieſes Buches will zwar mit großer Vorſicht betrachtet ſein, da Fr. Brammerell als Reformirter alles in reformirtem Lichte ſieht, allein höchſt werthvoll iſt ſein Buch durch die Beilagen, mit welchen er ſeine Geſchichte ausgeſtattet hat, indem er eine reiche Zahl wichtiger Urkunden, Verordnungen und Briefe in einem Anhange beigegeben hat.
Von großem Nutzen war mir ferner ein Manuſcript, das mir durch meinen Herrn Collegen Emmel zur Einſicht und Benutzung übergeben war. Der Verfaſſer dieſes Manuſcripts iſt, wie mein geehrter Vorgeſetzter, Herr Director Dr. Herwig in ſeinen Beiträgen zur Geſchichte des ehemaligen lutheriſchen Gymnaſiums zu Hanau(Oſterprogramm 1869), worin er Bezug auf dieſes Manuſcript nimmt, ausgeſprochen hat:„der gelehrte Joh. Adam Bernhard, der Verfaſſer der antiquitates Wet- teraviae, der 18 Jahre lang von 1718— 1736 Rector der hieſigen lateiniſchen Schule war. Daß das Manuſcript nicht zum Drucke kam, ſchreibt Herr Director Dr. Herwig weeiiter, erklärt ſich aus der veränderten amtlichen Stellung des Verfaſſers, da derſelbe 1736 vom Landgrafen Wilhelm VIII. von Heſſen⸗Caſſel zum Archivrath ernannt wurde. Die Schrift zeugt nicht nur von großer Gewiſſenhaftig⸗
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