Aufsatz 
Aus und über Hans Wilhelm Kirchhoff : zum Gedächtnis des Landgrafen Philipp des Großmütigen, 300 Jahre nach seinem Tod / von G. Th. Dithmar
Entstehung
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As die Abfassung des diesjährigen Osterprogramms in unserem Collegium zur Sprache kam, wurde der Aufforderung zur Uebernahme an mich die Bemerkung beigefügt, dass jetzt eine populäre Schrift, ein den Schülern und dem näher stehenden Publicum verständlicher Gegenstand an der Reihe wäre. Auf diese Bedingung hin übernahm ich die zu liefernde Arbeit nicht ungern, denn einen populären Stoff trägt mir die Zeit, in welcher diese Schrift ausgegeben wird, nicht nur in offener Hand entgegen, sondern sie verpflichtet mich auch gleichsam, den entgegengebrachten Stoff ohmne Weigerung hinzu- nehmen. Wer auch nur wenig in der hessischen Geschichte zu Hause ist, weiss ja, dass der bedeutendste von allen Fürsten, die jemals Hessen regiert haben, Philipp der Grossmütige, jetzt vor 300 Jahren, nemlich am 31. Merz ²) des Jahres 1567 gestorben ist.

Unter der Regierung dieses hochherzigen Mannes(er regierte das noch ungetheilte Hessen seit dem Jahre 1518) ist bekanntlich in unserm Vaterland ein neues Geistesleben erblüht; auf dem Gehiete der Kirche ²) und der gesammten Cultur wuchs durch Philipps Fürsorge und Pflege eine schöne Saat auf, deren Früchte mit- und nachlebende Geschlechter erndteten und bis in unsere Tage geniessen. Wie die Universität, die erste evangelische, gestiftet a. 1527, so hat Landgr. Philipp auch das mit derselben verbunden gewesene Gymnasium(bis ins J. 1833 Pädagogium) genannt) a. 1529 in unserer Stadt Marburg gegründet, und deswegen gebietet die Pflicht der Dankbarkeit unserer Anstalt, ihrem Stifter an seinem dreihundertjährigen Todesjahr ein ehrendes Gedächtniss zu weihen ³).

1) am 2. Ostertag. Der 31. Merz des damals jul. Kalenders stimmt mit dem 10. April unseres gregorianischen.

2) welches aber das höchste(Lob des Landgrafen) und Gott am meisten dafür zu danken, ist dieses, dass er dem Evangelio geneigt und die wahre Religion beschuzet und beschirmet hat. Kirchhoft.

3) Hat doch C. Matthaeus eine dankbare Gesinnung, welche namentlich literarische Anstalten und Literaten dahier dem Landgrafen schulden, treffend so ausgedrückt: quo enim ore aut fronte laudes ejus reticere possimus, cujus divino consilio et innata clementia effectum est, ut hac in civitate florerent et literae et essent literati, non video: quin potius judico, omnibus nobis, qui hic agimus in id incumbendum esse, ut humanitatis et gratitudinis memores, principem et heroem ingenuarum artium atque disciplinarum, legum ac religionis fundatorem et vindicem acerrimum literis nostris et memoria sempiterna celebremus.

4) Den Plan Philipps für diese Schule s. im Gnaden- und Preiheitsbrief etc. vom J. 1529 in Rommels Urkundenbuch. S. 352.

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