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Das Schuljahr 1864/5 verfloss im Ganzen sehr ruhig.— Dem durch Alter schwach gewordenen Gymnasiumsdiener Joh. Lehr wurde am 1. Mai der Schuhmachermeister Egidius Klinzing als Gehülfe beigegeben, und als Lehr, der zuerst dem akademischen Pädagogium und später 31 Jahre lang dem Gymnasium treu gedient hatte, am 7. October starb, vom 1. Januar 1865 an zum Gymnasiums-Diener bestellt.— Durch Verfügung vom 17. October wurde Candidat Ernst Gerland für das Winterhalbjahr mit mathematischem und naturwissenschaftlichem Unterricht beauftragt.— Gegen Ende des Schuljahrs traf von Seiten des Ministeriums des Inneren die längst ersehnte Nachricht ein, dass der Bauplatz zu einem neuen Gymnasial-Gebäude nunmehr erworben sei, und dass Seine Königliche Hoheit der Kurfürst die von den Architekten Dr. Lotz und Scheele vorgelegten Baurisse ge- nehmigt habe.— Die letzten Tage des Schuljahrs wurden dadurch getrübt, dass fünf Schüler ausgewiesen werden mussten, weil sie über ein von ihnen begangenes Vergehen jede Auskunft verweigerten.
Während des Schuljahres 1865/6 starb am 28. Juni der Conrector der städtischen Mädchenschule Peter Kutsch, welcher bis zum Frühjahr 1864 mit Ertheilung des Schreib- Unterrichts am hiesigen Gymnasium beauftragt gewesen war, plötzlich in Folge eines Schlagflusses. Bei der Preitags den 30. Juni stattfindenden Beerdigung schlossen sich dem ausserordentlich zahlreichen Gefolge auch die Lehrer des Gymnasiums an.— Die Feier des 18. Octobers fand von Seiten des Gymnasiums in der herkömmlichen Weise statt, jedoch diesmal auf dem Wehrshäuser Berg.— Während des Winterhalbjahrs traten im Lehrer-Collegium bedeutende Veränderungen ein. Den 24. October langte ein landes- herrliches Rescript an, durch welches Dr. August Soldan, welcher an dem hiesigen Gymnasium 16 Jahre lang, an den Kurhessischen Gymnasien überhaupt 41 Jahre lang mit grossem Eifer als Lehrer thätig gewesen war, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt wurde. Das Lehrer-Collegium sprach ihm sofort am andern Tag durch eine Deputation für die von demselben in seinem Beruf bewährte Treue und für die stets- bewiesene collegialische Gesinnung seinen Dank aus. Die Schüler der Prima drückten ihm ebenfalls durch einige aus ihrer Mitte ihren Dank aus, den sie später noch durch Ueberreichung eines Albums bezeugten.— Auch Kurfürstliches Ministerium des Innern richtete wenige Tage darauf an Dr. Soldan ein Schreiben, in welchem es ihm die ver- diente Anerkennung aussprach und ihm zum»otium cum dignitate« Glück wünschte.
Am 31. Januar langte die Nachricht an, dass Seine Königl. Hoheit der Kurfürst geruht habe, den Gymnasial-Lehrer Pfarrer Fenner in den Ruhestand zu versetzen. Der- selbe war zuerst Pfarrer in Züschen, dann Lehrer an den Schullehrer-Seminarien zu Cassel, Homberg und Schlüchtern, darauf Lehrer an den Gymnasien zu Fulda und Hanau; vom 14. Januar 1842 begann seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium und dauerte beinahe 24 Jahre lang.(† 15. October 1871.)
Mit Aushülfe in den bisher dem Pfarrer Fenner übertragenen Fächern des Unterrichts
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