Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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Schönhals das Gedicht: Das verschleierte Bild zu Sais. In der Schlussrede schilderte Dr. Buchenau unsern Schiller als den Dichter der Jugend. Fünf Monate später feierte das Gymnasium noch ein Jubiläum, nämlich das der vor 25 Jahren erfolgten Er- nennung von Dr. Collmann zum ordentlichen Lehrer an unserer Anstalt. Die Feier fand am zweiten Tag der öffentlichen Prüfungen den 27. März 1860 statt. Zuerst dankte der Direktor dem Jubilar in einer kurzen Rede für seine treue und erfolgreiche Wirksamkeit, indem er die Bedeutung eines Rückblicks auf 25 Jahre einer gesegneten Lehrer-Wirk- samkeit hervorhob. Darauf brachten die übrigen Lehrer und die Schüler dem Dr. Coll- mann ihre Glückwünsche dar. Abends vereinigte ein heiteres Mahl die Lehrer des Gymnasiums zur Feier des Tages.

Im folgenden Schuljahr 1860/1 wurde Dr. Schimmelpfeng durch Rescript vom 5. Mai zum Hülfslehrer ernannt. Im Herbst wurde von der Polizeibehörde Erlaubnis ertheilt, den 18. October, den unser Gymnasium immer auszuzeichnen bemüht war, wieder öffentlich zu feiern. Die einzelnen Classen machten Nachmittags mit ihren Ordinarien Spaziergänge in die Umgegend und trafen am Abend auf dem Kappler Berg wieder zusammen. Nach Absingung des Arndtschen Liedes:»Sind wir vereint zur guten Stunde« hielt der Director eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Tages und schloss, während ein mächtiger Holzstoss angezündet wurde, mit einem Hoch auf das deutsche Vvaterland. Unter Gesängen und bei dem Leuchten von Fackeln zogen Lehrer und Schüler in die Stadt zurück.

Bei Eröffnung des Schuljahrs 1861/2 kam die durch Ministerial-Beschluss vom 20. März genehmigte Trennung der Tertia in zwei gesondert zu unterichtenden Abtheilungen zur Ausführung. Die dazu erforderliche Vermehrung der Lehrkräfte wurde durch Beauf- tragung des Candidaten Julius Rothfuchs bewirkt. Ausserdem verlor die Anstalt in diesem Jahr zwei ihrer besonderen Gönner. Am 28. April 1861 starb Professor Dr. Christian Koch, der einst 30 Jahre lang Lehrer am akademischen Pädagogium gewesen war. Seinem Wunsche gemäss sangen die Gymnasiasten am Grabe das Lied: Nun lasst uns den Leib begraben. Am 11. October starb Professor Dr. Karl Friedrich Weber, der viele Jahre hindurch als Director das Gymnasium zu Kassel mit Kraft und Einsicht geleitet hatte. Ferner starb am 11. December in Folge eines Schlagflusses Johannes Peter, der 21 Jahre hindurch den Gesang- und Turn-Unterricht ertheilt hatte. Am 13. December folgten Lehrer und Schüler des Gymnasiums seiner Leiche. Da der beauf- tragte Lehrer Rothfuchs mit Beginn des Jahres 1862 die Stelle eines ordentlichen Lehrers am Gymnasium zu Schwerin antrat, so wurde durch Ministerial-Verfügung vom 19. Februar 1862 Candidat Theodor Hartwig beauftragt, die erledigten Lehrstunden zu übernehmen.

Im Schuljahr 1862/3 gelang die Ausführung eines schon lange gehegten Wunsches, dass die Leitung der technischen Unterrichtsfächer solchen Lehrern übertragen würde, welche dem Gymnasium ausschliesslich angehörten. Durch Ministerial- Verfügung vom 24. April wurde Dr. Schimmelpfeng mit der Leitung des Turn-Unterrichts, durch Ver-

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