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ausnehmen, an keinem Orte so wirksam erprobt, wie gerade damals in
Frankfurt. Als vor 27 Jahren die Männer der deutschen Forschung in die- sem Saale tagten, gab sich in den Grüssen ihrer Häupter, eines Jacob Grimm, Pertz und Ranke, ein Nachklang aus jener schönen Frankfurter Strebezeit kund. Hier zeigten nicht bloss die Gelehrten, sondern auch edle Bürger wie Moritz von Bethmann, die wärmste Theilnahme für die Heraus- gabe der deutschen Geschichtsquellen in dem hohen Sinne, wie Stein den Plan entworfen. Hier wirkte der strenge, kernhafte, noch in seiner knor- rigen Abgeschlossenheit ehrenwerthe Böhmer, hier jener goldreine Charakter, Gerhard Thomas, der Bürgermeister. An die zerstreuten Spuren unseres echten Geschichtslebens knüpfte sich trotz alledem die Hoffnung unver- kümmerter Herrlichkeit. Hier galt es vor allem,
Aus hundert zerstreuten Blättern zu lesen,
Wie mächtig vordem der Baum gewesen;
Aus tausend sprossenden Keimen zu sehn,
Wie schön er wieder mag auferstehn. Diesen Weg vom Gedanken zur Wirklichkeit, von der unscheinbaren Klein- forschung zu gewaltigen Volksleistungen haben wir unserer Jugend vor Augen zu führen. Unserem Vaterland ist es ergangen, wie dem Weisen der deutschen Sage, der die heilige Urschrift in die geliebte Muttersprache überträgt: das Wort wurde ihm zum Sinn und zur Kraft und zur That. Wir eignen uns jenen Ausspruch an, den der hellenische Geschichtschreiber seinem Perikles in den Mund legt: ꝓtlodocpotuey dvεr αƷ‿ανιas, wir lieben Forschung und streben nach höherem Wissen, ohne darum an Thatkraft etwas einbüssen zu wollen. Das Gymnasium ist uns eine Gymnastik des Geistes, vermittelst deren wir Männer heranzubilden hoffen, wie das erneute Reich sie brauchen kann. Ich will hier nicht erörtern, ob das Gymnasium überhaupt oder ob das unserige Neider und Gegner hat; sollte es jedoch unverdienter Weise deren haben, so können sie ihm eines nicht nehmen: seine dreihundertjährige ruhmwürdige Vergangenheit. Unter dem frischen Anhauch der erneuten Wissenschaft und grosser geistiger Kämpfe gestiftet, hat es von dem genialen Nesen und dem feinen Micyllus an bis in unser Jahrhundert erlauchte Häupter der Forschung zu seinen Führern gezählt.


