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Die Wahl des Bürgermeisters geschieht nicht mehr wie früher:) nur von Zünften und Gemeinde, sondern diese schlagen gegen Ende Dezember dem Fürsten 3 Schöffen vor, und er wählt unter ihnen einen aus, nicht immer den an erster Stelle vorgeschlagenen. Nachdem die fürstliche Ernennung des neuen Bürgermeisters in die Hände des Unterbürgermeisters gelangt ist, begibt er sich, vom Stadtschreiber und einem Vierer begleitet, zu dem Erwählten und überbringt ihm eine Abschrift des fürstlichen Schreibens. Um Mittag kommen Zünfte und Gemeinde im kleinen Rathaus- saal zusammen, desgleichen der frühere Bürgermeister, der ab- dankt und die Schlüssel und die 3 Stadtsiegel abliefert. Man spricht ihm den Dank für seine Amtsführung aus, und dann teilt der Unterbürgermeister mit, wen der Fürst bestätigt hat. Zünfte und Gemeinde bitten, ihnen den neuen Bürgermeister vorzustellen, und die oben genannten 3 Personen holen ihn aus seinem Hause ab und führen ihn aufs Rathaus. Dort gratuliert zuerst der Stadtschreiber, dann der Unterbürgermeister, und das neue Stadtoberhaupt übernimmt die Schlüssel und Siegel und bedankt sich mit einigen Worten. Darauf werden sofort die Wahlen zu den grösseren Stadtämtern vorgenommen. ²)
Im Jahre 1645 bestand der Rat aus folgenden Personen: Joh. Bauer, Bürgermeister; 12 Schöffen: Joh. Bernhardt, Egidius Schrott, Hermann Damptmann, Justus Runckel(Syndikus), Hen- rich Klunck(Oberbaumeister), Joh. Henr. Fiesler, Joh. Schott (Oberbeseher), Georg Sauer, Helfferich Bang(Kämmerer), Bernh. Fürstenau, Eberhardt Bierau, Jul. Croll(Stadtschreiber) und 4 Vierern: Paul Sauer(Unterbürgermeister), Erasmus Sömmering (2ter Kämmerer), Hans Altt(2ter Beseher), Heinrich Peter (Unterbaumeister). Zwei von diesen Schöffen sterben im Laufe des Jahres, und am Ende wollen 3 Schöffen zurücktreten, da sie wegen hohen Alters nicht mehr wirken könnten, auch durch die allzu häufigen Sitzungen und die Arbeit im Dienst der Stadt in ihrem eignen Vermögen ganz zurückgekommen seien. Der Fürst verfügt, sie seien zu entlassen, doch unter Wahrung aller
1) Bücking„Mitteilungen aus Marburgs Vorzeit“ 8. 5. 2) Ratsprotokolle.


