Teil eines Werkes 
2. Teil (1904)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Am nächsten Tage, Donnerstag, den 25. Juli, besuchte Soermans den Propst zu

132 Cöln an der Spree und ersten Prediger an der Petrikirche Wilh. Abr. Teller(734 1804),

der seine Wohnung in der Brüderstralse in der Propstei der Petrikirche hatte; drei Häuser davon entfernt wohnte Friedrich Nicolai. Er war aus Leipzig gebürtig, wo er sich mit einer geb. Börner, einer Ziehschwester von Chr. F. Weiſse's Gattin(dessen EFin- schrift vom 22. Mai 1775 wir im ersten Teil S. 31 mitgeteilt haben) vermählt hatte; beide, Weiſse und Teller, hatten zusammen an demselben Tage, 1. Juni 1763, ihre Hoch- zeit gefeiert. Von Helmstädt aus war er auf Vorschlag jenes Predigers Diterich, der auch Spaldings Berufung bewirkt hatte, durch Vermittelung Nicolai's, mit dem Teller als Mitarbeiter an dessenAllgemeiner Deutscher Bibliothek von ihrem Anfange an in Verbindung stand, i. J. 1767 nach Berlin berufen worden. Dort in Helmstädt hatte er in der Stellung eines Generalsuperintendenten und ordentlichen Professors der Theologie an der Universität, die er in dem jungen Alter von 27 Jahren erhalten hatte, durch sein Lehrbuch des christlichen Glaubens, 1764, in welchem er mit Verwerfung der ganzen alten scholastischen Dogmatik aus der Bibel allein durch einevernünftige Exegese den wahren christlichen Lehrbegriff herzustellen versuchte, einen Sturm der gesamten Ortho- doxie gegen sich hervorgerufen. Auch der oben aufgeführte Königsberger Professor Lilienthal lieſs sich in seinem Programma de ea, quam Gu Abr. Tellerus adhibuit Theo- logiam Dogmaticam tradendi methodo, 1766, zu dem Streite vernehmen. In Kursachsen wurde das Buch verboten mit Konfiskation aller vorgefundenen Exemplare; der eigene Bruder, Joh. Friedr. Teller, Prediger zu Zeitz, verdammte ihn in einer besonderen Schrift: Abgenöthigte Kritik über seines Bruders Lehrbuch des christlichen Glaubens, 1764; Anhang dazu 1766. In Helmstädt selbst verschrien ihn zwei Doktoren der Theologie als Ketzer; der Magistrat beantragte beim Ministerium in Braunschweig seine Absetzung schon aus dem Grunde, dafs aus Furcht vor seiner heterodoxen Lehre weniger Studenten nach Helmstädt kommen und damit die Stadt eines wichtigen Nahrungszweiges verlustig gehen würde. Aber in Berlin gereichte zu derZeit der schönsten Blüte der schönen Regierungszeit Friedrichs des Groſsen seine Freimütigkeit ihm gerade zur Empfehlung, so dals mandie Gelegenheit ergriff, den preuſsischen Staaten einen so verdienstvollen Mann zu erwerben. Er war zugleich ins Oberkonsistorium berufen worden. In dieser obersten geistlichen Behörde der preuſsischen Monarchie traf er sich unter dem Vorsitze der Minister v. Münchhausen und v. Zedlitz mit Sack, Spalding, Büsching, bald nachher auch(1770) mit Diterich. In Gemeinschaft mit diesen gleichgesinnten Männern wirkte er eifrig und allezeit schlagfertig für die Ideen und Ziele der Aufklärung, und vermöge seiner Lebhaftigkeit war er, bei weitem der jüngste, die bewegende Kraft von allem. Von den Schriften, die in Berlin erschienen, erzielte eine besonders nachhaltige Wirkung seinWörterbuch des Neuen Testaments zur Erklärung der christlichen Lehre, 1772, in demdie fremdartigen und jüdischen lokalen Ausdrücke im Neuen Testamente in jetzt übliche, deutliche, und daher gemeinverständliche Redensarten aufgelöset sind. Auch diesem Buche, von dem Teller noch während seines Lebens sechs Auflagen ver- anstalten mufste, setzte wiederum sein Bruder ein anderes Wörterbuch des Neuen Testa- ments 1775 entgegen. Als das Wöllnersche Edikt erschien, beteiligte er sich natürlich auch an dem Protest der übrigen Konsistorialräte. Er wich auch nicht, weder von seiner Uberzeugung noch von seinem Posten. Noch in demselben Jahre veröffentlichte er bei