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Die Philosophie Schillers und der Deutschunterricht in den Oberklassen des Gymnasiums
Entstehung
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sondern überall dort entsteht, wo geistige Kräfte betätigt werden aus Freude an dieser Betätigung selbst. Zur Erläuterung kann man die modernen Volksbildungsbestrebungen heranzichen.

Natürlich darf man den Glauben nicht aufkommen lassen, als ob damit die Rolle der Kunst ausgespielt wäre; sie beruht ja auf einem tiefen Bedürfnis des Menschen(Spieltrieb) und wird ihn daher bei seiner ferneren Entwicklung stets begleiten müssen. Hier dürfte es am Platze sein, den Begriff der Bildung von Schillerschen Gesichtspunkten aus zu beleuchten.

Erst wenn die Schüler so erkannt haben, welche Bedeutung die ästhetische Erziehung für den einzelnen hat, werden sie ver- stehen können, wie Schiller dies geschichtsphilosophisch verwertet: Die ästhetische Erziehung soll der Hebel sein bei der Entwicklung der ganzen Menschheit. Aber man wird auf diese Wendung des Gedankens nicht allzu viel Gewicht legen und vor allem nicht verschweigen, daß Schiller hier der Gefahr jeder geschichtsphiloso- phischen Konstruktion nicht entgangen ist, daß er über einem Faktor alle andern vernachlässigt hat. Gerade dadurch wird das, was in diesem Werke Schillers unsterblich ist, schärfer hervortreten.

Ich habe hier einiges an den Schluß der Oktava gewiesen, im übrigen aber die Frage nach dem geeignetsten Zeitpunkt noch nicht berührt. Fs ist natürlich gar nicht daran zu denken, größere Partien eines so schwierigen und abstrakten Stoffes im Zusammenhang vorzutragen. Im Gegenteil, eine wichtige Aufgabe wird es sein, das, was aus diesem Gebiet mitgeteilt werden soll, möglichst mit dem übrigen Unterricht, soweit er sich um Schiller dreht, zu verknüpfen. Das eine wird einem Gedicht vorauszu- schicken, das andere im Anschluß an ein gelesenes oder bei Er- klärung einer einzelnen Stelle vorzubringen sein, manches wird wieder am besten bei der Literaturgeschichte seinen Platz finden: das ergibt sich jeweils aus dem Bedürfnis des Unterrichts. Hat sich der Lehrer einen bestimmten Plan darüber gemacht, was er den Schülern von Schillers Philosophie mitteilen will, und hat er bei seinen einzelnen Bemerkungen neben den momentanen Bedürf- nissen immer auch diesen Plan im Auge, so wird sich der Zusam- menhang von selbst herstellen, es wird wiederholt auf schon Ge- sagtes zurückgegriffen, auf Kommendes hingewiesen werden. Aber empfehlenswert wäre es jedenfalls, den Hauptteil dieser Materie bis zur 8. Klasse aufzusparen. Vor allem natürlich, weil die allgemeine Reife der Schüler da eine größere ist; dazu kommt aber noch, daß sie bereits logisch geschult sind und wenigstens begonnen haben, sich mit Psychologie zu beschäftigen. Der Deutschunterricht könnte