Teil eines Werkes 
2 (1846) Die Sphäre des Archimedes
Entstehung
Einzelbild herunterladen

mit Treuherzigkeit:»Marcellus hat es für ein Recht des Sieges gehalten, vielerlei, »was der Stadt zur Zierde gereichen könnte, nach Rom zu verpflanzen. Bei dieſer Theilung der Prachtwerke ſuchte Marcellus Sieg für das römiſche Volk nicht mehr aus, als ſeine »Humanität den Syracuſanern ließ. Was nach Rom geſchafft wurde, das erblicken wir

in der Rähe des Tempels der Ehre und der Tugend, ſowie auf andern Plätzen. Nichts

ſtellte er in ſeinem Hauſe, nichts in ſeinen Gärten, nichts in ſeinem Landſitz vor der »Stadt auf; er glaubte, wenn er die Zierden einer Stadt nicht in ſein Haus gebracht »hätte, ſein Haus der Stadt zur Zierde gereichen werde.. Man ſieht hieraus, daß unter den gewandten Händen des Redners die Anwendung des Eroberungsrechtes nicht nur alles Gehäſſige, was ihm von Ratur anhängt, verliert, ſondern auch ſelbſt Stoff zur Lobprei ſung des Eroberers wird. Wenn indeß die geprieſene Civiliſation der neuern Zeit der⸗ gleichen Kunſtplünderungen im Großen auszuüben ſich nicht geſchämt hat: ſo darf das Verfahren des Marcellus ebenſowenig, wie das des Redners Anſtoß geben. Daß übrigens unter den aus Syracus nach Rom überbrachten Kunſtwerken auch die Sphären Archimed's ſich befanden, bezeugt die weitere Ergänzung der vorliegenden Erzählung in Cicero's Schrift vom Staate¹), welche zwar die Selbſtverläugnung des Eroberers nicht in gleich günſtigem Lichte darſtellt, dagegen der Wahrheit gemäßer erſcheint. In dieſer Stelle wird berichtet, daß Marcellus aus der reichen Beute ſich nur die Sphären Archimed's angeeignet, mit nach Rom gebracht und daſelbſt die eine im Tempel der Virtus, die andere jedoch in ſeinem Hauſe aufgeſtellt habe.

Das erſte Mal ſah jetzt die Weltbezwingerin die Geheimniſſe des Himmels in einem Bilde verſinnlicht und das Volk theilte ſeine Bewunderung des Kunſtwerkes mit den Gebil⸗ deten. Für dieſe war ſehr klüglich geſorgt, in ſo fern Marcellus, nach Cicero's Zeug niß, das glänzendſte der beiden Exemplare dem Publikum zur Anſchauung überließ, während er das unſcheinbarſte, aber dennoch werthvollſte in ſeinem Hauſe zum gelegentlichen Ge brauche der gelehrten Verſammlungen daſelbſt aufbewahrte.

§. 13. Anzahl der Sphären und Dauer ihres Vorhandenſeins in Rom. Die eben mitgetheilte Ausſage Cicero's macht es zwar nicht! nöthig, auf die Anzahl

1) Cic. de Republ. I. 14.