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Über die Einführung unserer Jugend in die deutsche Literatur
Entstehung
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von den Schülern ſelbſt gewäͤhlte, oder ihnen empfohlene Stoffe zu Uebungen im mündlichen Vortrage, nach vorhergegangener Vorbereitung, benutzt. Gedichte, beſonders epiſche, wurden gelernt und declamirt und daran die erſte Einführung in die Literatur durch Angabe der wich⸗ tigſten Momente aus dem Leben der Dichter, durch Hinweiſung auf deren Bedeutſamkeit in der vaterländiſchen Literatur, durch Zuſammenſtellung der dem Schüler bereits bekannten Gedichte, deſſelben Verfaſſers, geknüpft. Die ſchriftlichen Arbeiten, welche ſich durch die Wahl des Thema's möglichſt an die Lectüre anſchloſſen, wurden in erzählender und beſchreibender Form abgefaßt. Die Lehre vom einfachen und zuſammengezogenen Satze wurde wiederholt und die Bekanntſchaft mit dem zuſammengeſetzten Satze erweitert. 4 Std. Kummer.

Franzöſiſch: Lectüre. Aus Mager's franzöſiſchem Leſebuche. Band II. Anfangs einige Fabeln von Lafontaine, Gedichte von Guiraud, Beranger und Lamartine, hierauf einiges von den Abſchnitten aus Voltaire's Charles XII., Fenelon's Telémaque u. Anguctil's Jeanne d' Arc. Einzelne Abſchnitte wurden memorirt. 2 Std. Grammatik nach Mager's franzöſiſchem Sprachbuche. Nach Repetition des aus der Formlehre und Syntar früher Erlernten, wurden durchgenommen: der ausgebildete Satz, Arten der Ausbildung§. 72 179, Weſen des Artikels §. 180 195, das attributive Satzverhältniß, hier namentlich die Stellung des attributiven Adjectivs und Particips; das objective Satzverhältniß, hierbei die Stellung des Pronomens als Object, im Ausſage⸗, Befehl⸗, Frageſatze ohne und mit Negation. Einübnng der unregel⸗ mäßigen Verben. Zuletzt das Wichtigſte von der Motion des Particips parfait im obiectiven Satzverhältniſſe. Alle wurden eingeübt, durch ſchriftliche und mündliche Ueberſetzung franzöſiſcher und deutſcher Stücke. 3 Std. Richter.

Engliſch: Die Leſeſtücke des erſten Abſchnitts von Callins Elementarbuche dienten, die Schüler mit der Ausſprache bekannt zu machen; wurden überſetzt, gelernt und die Elemente der Formlehre dabei eingeübt; ſchriftliche Uebungen, nach der Anweiſung des Buches, ſchloſſen ſich an. 2 Std. Kummer.

Mathemathik: Geometrie. Gerade Linie, Winkel, Dreieck und Parallelogram waren die Formen, mit denen die Schüler bekannt gemacht und an denen ſie zu Klarheit und Beſtimmtheit im Ausdruck, zum ſicheren Urtheilen, zum wohlgeordneten richtigen Schließen angeleitet wurden. Es kam hierbei weniger darauf an, daß die Schüler viel Stoff in ſich aufnahmen, mehr aber, daß ſie das, was ſie lernten, vollſtändig einſahen und von der mathematiſchen Methode, ihrer Strenge, daher überzeugender Kraft, wenigſtens eine Ahndung gewannen. Die häuslichen Arbeiten beſtanden theils in den Ausarbeitungen deſſen, was in der Klaſſe vorgenommen war, theils in Löſung leichter Aufgaben. 2 Std. v. Heidenreich.

Naturbeſchreibung: Der Unterricht erſtreckte ſich zunächſt über das Allgemeine in der Natur, mit Vorzeigung mancher Experimente, wodurch die Beobachtungsgabe der Schüler eine genaue Rich⸗ tung gewinnen konnte und ihre Sinnesorgane ſich auszubilden Gelegenheit fanden. Hiernach gingen vor ihren Augen die wichtigſten Formverhältniſſe im unorganiſchen Reiche vorüber; ſie wurden hingewieſen auf das Beſondere in dieſem Betracht, im Gebiete der Organiſchen lernten letztere nach den hauptſächlichen äußeren Merkmalen unterſcheiden, erhielten eine genauere Anſicht von ihrer Entſtehungsweiſe und Ausbildung, von ihrem Sein und Verhalten, ihren

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