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Über die Einführung unserer Jugend in die deutsche Literatur
Entstehung
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Kurze Nachricht über den Zeichnenunterricht in unſerer Schule.

Der Unterricht im freien Handzeichnen iſt, ungeachtet er ſtets zu der Zahl der Lehrgegenſtände dieſer Schule gerechnet wurde, doch erſt ſeit Oſtern v. J. in ſeine volle Wirkſamkeit getreten, indem er von da ab bindend für alle Klaſſen geworden. Er wird ſeitdem wöchentlich in zwei zuſammen⸗ hängenden Stunden in jeder Klaſſe ertheilt.

Wiewohl dieſer Unterrichtsgegenſtand als ein in ſich abgerundeter und in ſeiner ſtufenförmigen Entwickelung gleichſam ſelbſtſtändiger zu betrachten iſt; ſo ſchließt er ſich doch dem Ziele dieſer Schule, ihrem ganzen Streben inſofern als integrirender Theil dem Ganzen an, als von ſeiner Wirkung erwartet wird, daß er in einem gewiſſen Sinne die ganze Thätigkeit des Schülers harmoniſch vermittele.

Dieſe Behauptung dürfte auf den erſten Blick paradox erſcheinen; allein die Richtigkeit derſelben wird einleuchten, wenn man bedenkt, daß der Unterricht im freien Handzeichnen weniger auf den einzelnen künftigen Beruf gerichtet, vielmehr als eine rein künſtleriſche Thätigkeit gefaßt wird. Genauer betrachtet, kann es auch wohl nicht anders ſein.

Wenn ſchon die Unterhaltung, welche die bildenden Künſte gewähren, unſer Empfindungsvermögen auf eine edle Weiſe erhöht und unſere Einbildungskraft wohlthuend erfüllt; wenn überhaupt die Gewöhnung an milde, harmoniſche Formen auch die Seele in einen milden harmoniſchen Gang bringt; ſo muß eine gründliche Bethätigung mit der bildenden Kunſt das Leben concentrirt erhöhen. Die Kunſt übt die zwingende Gewalt, daß ſie den, welcher in derſelben lebt, treibt, dieſelbe im Leben geiſtig, äſthetiſch und ſittlich nachzuahmen. Von ihr lernt der Menſch Klarheit, Ruhe, Objectivität, Einheit und Fixirung des Blicks. Räumen wir nun dieſen Functionen ihre unbeſtrittene Geltung ein, ſo muß auch dieſem Zeichnenunterrichte die Möglichkeit jener angedeuteten Vermittelung zugeſtanden werden. Wenn es wahr iſt, daß jeder Theil dem entlehnten Ganzen mindeſtens ähnlich ſein muß, ſo iſt auch wohl eben ſo unbeſtritten, daß eine jede Kunſtſtufe, wo und wie ſie auch geſondert erſcheinen mag, das Gepräge ihrer Abſtammung tragen muß.