8
——
Ueber die Einführung unſerer Jugend in die deutſche Literatur.
Den Gönnern und Freunden unſerer Schule, beſonders denen, die ihre Kinder zur erziehenden Bildung uns anvertrauten, von Zeit zu Zeit Nachricht und Rechenſchaft zu geben von dem, was wir treiben und erſtreben, iſt uns nicht nur Pflicht, ſondern auch Wunſch, ja Bedürfniß. Nicht der ſüße Nectar des Lobes iſt's, worauf wirs dabei abſehen, denn danach ſtrebt kein ſelbſtſtändiger Mann; aber wir wiſſen, daß die wohlmeinende, verſtändige Billigung, die wir uns von außen her erringen, eine Grundbedingung vom Gelingen unſerer, ſelbſt der angeſtrengteſten Thätigkeit iſt; und deßhalb ſuchen wir ſie,— aus Pflichtgefühl. Wir ſetzen unſer Thun, ſowie die Beweggründe dazu um ſo lieber ſelbſt auseinander, als wir uns dadurch die Einſichtsvollen zu Mitarbeitern, ohne daß ſie es wiſſen und wollen, zu verbinden hoffen*), denn durch ſie wird immer die Phalanx verſtärkt, welche dem unbegründeten Urtheile entgegen zu treten hat.
Unbegründet würde aber das Urtheil über unſer Thun jedenfalls ſein, wenn es ſich nur auf die Ausſagen, ja ſelbſt nur auf die Leiſtungen der Schüler ſtützen würde, weil begreiflicher Weiſe kein Schüler weder unſer Thun in ſeiner ganzen Bedeutung begreift, noch das Ganze unſerer Arbeit darſtellt und vertritt.
Daß wir aber auf das Urtheil über uns Rückſicht zu nehmen haben, verſteht ſich von ſelbſt; daß wir's aber in höherem Grade thun müſſen, als die Gymnaſien, iſt natürlich. Dieſes ſind lateiniſche Schulen(a potiori fit denom.). Die unſere iſt eine deutſche. Natürlich iſt, daß ſich in die Sphäre jener nicht leicht ein Urtheil verſteigt, weil die Prüfungs⸗Commiſſion in letzter Inſtanz entſcheidet, und wo dieſe zufrieden iſt, die Betheiligten um ſo mehr zufrieden ſind, weil dadurch der Eintritt in Amt und Würde und in die höheren Lebenskreiſe bezeugt und beſiegelt wird. Ueber unſere deutſche Schule regt ſich natürlich ein ausgebreiteteres Urtheil, als Deutſch vor dem Lateiniſchen bekannt iſt, und man uns mißtrauiſch darauf anſieht, ob wir auch unſere Schüler ohne jenes dienſtliche Gutachten in den Kreis der gebildeten Menſchheit zu erheben vermögen. Jene Schulen ſind alt und bewährt, begründet, und laſſen ſich nicht wägen und wiegen von allerlei Meinung, haben die Univerſitäten noch hinter ſich, denen die Pflicht, Begonnenes zu vollenden, mit Recht zugemuthet wird; unſere Schulen ſind neu, noch nicht durch die Länge der Zeit in der Meinung begründet, haben das gewerbliche Leben
*) Ja wir rechnen ein wenig darauf, daß mit der Zeit die Mütter und Kinderſtuben unſere Collegen werden ſollen; und wenn ſie ſich ein wenig nach uns richten und uns vorarbeiten, werden wir mit ihnen gar friedlich und einverſtanden leben.


